Auftritt in der Geschichte: Schwalmstadt wird Konfirmationsstadt

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Ein erstes neues Ortsschild: Nur für das Foto wurde es vor der Schlosskirche aufgebaut, selbstverständlich wird es am Ortseingang zu finden sein. Laut Bürgermeister Pinhard werden Schilder nur schrittweise im ganzen Stadtgebiet ausgetauscht. 

Ziegenhain. Das Konfirmationsfest, das jedes Jahr unzählige Jugendliche auf der ganzen Welt mit ihren Familien in ihren Kirchengemeinden feiern, hat einen Geburtsort: Ziegenhain.

1538 kamen gelehrte Köpfe in Ziegenhain zusammen, 1539 wurde ein Dokument verfasst, das den für uns heutigen sperrigen Titel „Kirchenzuchtordnung“ trägt. Es bildet die Erfindung der Konfirmation ab, aber auch Regelungen im gemeindlichen Leben, die unerhört neu – und für Protestanten rund um den Globus noch immer gültig sind.

„Wir sehen uns in Nordhessen als Wiege und Pionierland der Reformation“, sagt Ute Schulte. Die Leiterin der Nordhessen Touristik (Kassel) weiß dabei, dass die historischen Ereignisse nur dann verfangen, wenn sie erlebbar gemacht werden, wie seit 2014 in Gestalt des Schwälmer Katechismuspfades. „Jeder Schwalmstädter kann stolz darauf sein“, so Bürgermeister Pinhard.

So eng der Zusammenhang der reformatorischen Geschehnisse jener Jahre bald nach der Wende zwischen Mittelalter und Neuzeit (um 1500) ist, so eng ist auch der zwischen den Orten, wo sich alles abspielte, von Marburg über Homberg, auch Spieskappel bis Ziegenhain. Reisefachleute sprechen heute vom großen Auftritt Nordhessens in der Weltgeschichte. Die Konfirmationsstadt Schwalmstadt jedenfalls erhält mit dem Titel seine individuelle Auszeichnung, die es künftig noch effektiver aufladen kann und sollte.

Das Mittel der Wahl sind laut Ute Schulte in erster Linie Führungen, Veranstaltungen, auch Angebote im gastronomischen Bereich. Das Thema müsse entfaltet werden, „die Menschen müssen es leben und stolz darauf sein“. Weitertragen werde es ganz sicher.

Wie konkret das in Schwalmstadt ausgeformt wird, dazu kann Bürgermeister Stefan Pinhard noch nichts Genaues sagen, doch das Alleinstellungsmerkmal sei nunmehr bezeugt. Man hätte, so der Bürgermeister, wohl früher darauf kommen können, aber zu den Reformationsfeierlichkeiten passe die Verleihung doch ausgezeichnet. Der Verwaltungschef sieht die Chance zur Bildung einer Marke mit großem Bekanntheitspotenzial und nachhaltiger Wirkung.

Pinhard sieht in der Titelverleihung, die erst Anfang Mai beantragt wurde, den Startschuss für ein ganzes Konzept in Zusammenarbeit mit den Tourismuskräften mitten im Rotkäppchenland, „ich hatte keinen Zweifel, dass das kommt, jeder Schwalmstädter kann stolz darauf sein“. Überdies sei bekanntlich Treysa die Geburtsstadt der EKD (Evangelische Kirche von Deutschland) direkt nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Dachverband Grimmheimat ist unterdessen mit christlichen Reiseveranstaltern im Gespräch, denn, so Ute Schulte: „500 Jahre Reformation und Luther sind weltweit ein Thema.“ Ein Thema, zu dem die Konfirmation unverbrüchlich gehört.

Gottesdienst und Festakt:Vor dem Festakt mit der feierlichen Übergabe der Ernennungsurkunde zur Konfirmationsstadt ist am Dienstag (31.10.) ab 11 Uhr ein Festgottesdienst mit Dekan Christian Wachter, Pfarrer Ingo Fulda und der Kreiskantorei unter der Leitung von Bezirkskantor Jens Koch. Staatssekretär Mark Weinmeister überreicht anschließend die Ernennungsurkunde an Bürgermeister Stefan Pinhard.

Quelle: HNA

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