Augen zu, die Sinne an

+
Stolz auf ihre Werke: Die Schüler der Hermann-Schafft-Schule vor den Werken, die sie zusammen mit Künstlerin Elke Anders (außen rechts) erarbeitet haben. Die KSK Schwalm-Eder hatte den Kreativ-Workshop in ihrer Reihe 175 Projekte finanziell unterstützt. Fotos:  Brandau

Morschen. Man muss keine Adleraugen haben, um Kunst zu sehen. Man kann sie auch mit den Händen entdecken - und dabei mindestens genau so viel wahr- und aufnehmen wie so mancher sehender Betrachter. Diese Erfahrung machten jetzt zehn sehbehinderte Schüler der Homberger Hermann-Schafft-Schule (HSS) in der Mörscher Kunstwerkstatt von Elke Anders. Dort stellten die Zehn- bis Zwölfjährigen viele bunte, tönerne Werke her. Die meisten weisen sehr abstrakte Formen auf, man muss drei mal hinschauen, um eine Ähnlichkeit mit konkreten Dingen herzustellen.

Viele Interpretationen

Oder man macht die Augen zu und fängt an zu fühlen. Ist das, was man in der Hand hat, ein Insektenhotel? Ein Schweizer Käse? Oder eher eine exotische Frucht? Der Interpretationsspielraum ist bei allen Exponaten groß. Und wird mit jeder Minute, die man das Kunstwerk dreht und wendet, größer.

Die Schüler haben Spaß daran zu sehen, wie ihr Kunstwerk ankommt: Sie sind stolz auf das, was sie erarbeitet haben, für viele war es das erste Mal, dass sie eigene Skulpturen herstellten.

Übers Ergebnis sind sie teilweise selbst verblüfft: „Es war super: Man kriegt was hin, von dem man nie gedacht hätte, dass man es hinkriegen würde“, sagte Dennis Ziaja. Der Zwölfjährige ist wie seineMitschüler stark sehbehindert, er fährt täglich von Korbach zur HSS nach Homberg, denn dort liegen die Förderschwerpunkte sowohl auf dem Hören als auch auf dem Sehen.

Mit den Händen sehen

Auch wenn man es den Kindern nicht sofort ansieht, haben sie doch einen ganz eigenen, weil eingeschränkten Blick auf die Welt. „Die Kinder haben gelernt, mit den Händen zu sehen“, sagt Elke Anders, die das Projekt leitete. Ermöglicht hatte es die Kreissparkasse Schwalm-Eder: Anlässlich ihres 175. Geburtstages im vorigen Jahr hatte die KSK 175 gute Ideen finanziell unterstützt: Die Anregung von Elke Anders, kreativ mit sehbehinderten Kindern zu arbeiten, war eine davon.

Die waren mit Feuereifer bei der Sache, bestätigen Lehrerinnen Annalena Bernhardt und Susanne Dreetz. „Es war toll zu sehen, wie hochmotiviert die Kinder bei der Sache waren“, sagten sie.

• Die Werke sind vom 22. September bis 6. Oktober in der Homberger Kreissparkasse zu sehen.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare