Augenzeuge des Giftunfalls: „Ich hatte ein Brennen im Hals und im Bauch"

Homberg. Ein wenig ratlos stehen die Lastwagenfahrer und Lageristen in grauen Trainingsanzügen vor der Stadthalle im hessischen Homberg/Efze. Ihre eigene Kleidung mussten sie ausziehen - Giftgasalarm.

Vier Männer in grellorangenen Schutzanzügen mit Atemschutzmasken hatten die Lkw-Fahrer vor dem Umziehen zu den Duschen in ein Notfall-Zelt begleitet. Die Szene mit den Giftgas-Experten erinnert an einen Science Fiction-Film. Und über Stunden ist unklar, ob die giftige und stinkende Wolke über dem Firmengelände der Fahrer und Lageristen auch die Kleinstadt gefährdet. Am Vormittag gibt die Polizei Entwarnung.

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„Ich hatte ein Brennen im Hals und im Bauch. Jetzt beobachte ich mich sehr genau. Man hat Angst“, erzählt Jens Schwarz. Der Lastwagenfahrer war kurz nach 02.00 Uhr in der Nacht zum Mittwoch aufgewacht, wenig später folgte die Anweisung der Feuerwehr: Das Gelände rund um die Logistikfirma muss sofort verlassen werden. „Es roch nach offenem Gullydeckel“, erinnert sich der 32-Jährige.

Die meisten Lastwagenfahrer schliefen noch in ihren Wagen, als der Unfall bemerkt wurde. Der Grund für den Unfall: Wohl aus Unachtsamkeit hatte ein Gabelstaplerfahrer ein 200-Liter-Fass mit einer giftigen Flüssigkeit in der Nacht beschädigt, dabei wurden etwa 30 Liter der Chemikalie freigesetzt. Die Gaswolke verflüchtigte sich im Laufe der Stunden, dennoch blieb das Industriegebiet um das Logistikunternehmen weiträumig gesperrt. „Viele husten, jetzt fängt es bei manchen langsam an“, sagt der 51-jährige Siegmund Kolb, selbst ein Fernfahrer.

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Andere klagen über Schwindel und Kopfschmerzen. Kolb hat den Geruch in der Nacht über die Standheizung seines Lkw mitbekommen, Beschwerden hat er zunächst aber nicht. Bis zu 48 Stunden später könnten noch Symptome auftreten, haben die Ärzte den Betroffenen erzählt. Bis zum Mittag mussten 33 Menschen zur Beobachtung in Krankenhäuser gebracht werden.

Die Polizei empfahl den Hombergern, Fenster und Türen geschlossen zu halten, sollten sie den Geruch wahrnehmen. Nach Angaben von Bürgermeister Martin Wagner besteht für die Anwohner allerdings keine Gefahr: „Nach menschlichem Ermessen kann nichts passieren.“ In den Schulen wurden die Schüler betreut, es sei aber auch möglich, die Kinder zu Hause zu lassen, sagte der Sprecher des Kreises Schwalmn-Eder, Dieter Werkmeister. Auch Stunden nach dem Unfall ist unklar, wie es nun weitergeht.

Die Lastwagen sollen ebenfalls dekontaminiert werden, bevor sie wieder eingesetzt werden. Wann das abgeschlossen ist, ist unklar. „Ich hoffe, ich kann in der Nacht nach Bayreuth zurückfahren“, sagt Kolb. Seine Frau und die drei Kinder warten - und sie machen sich Sorgen. (dpa)

Quelle: HNA

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