Ausbildung: Jugendwerkstatt sieht düstere Perspektiven

Starker Jahrgang: Die Auszubildenden der Jugendwerkstatt Felsberg mit ihren Ausbildern und Sozialpädagogen (hinten links).

Felsberg. Dreieinhalb Jahre haben 13 junge Leute in der Jugendwerkstatt Felsberg gebüffelt, geschraubt, geschweißt oder gehobelt, jetzt haben zwölf von ihnen den Gesellenbrief in der Tasche.

In der Werkstatt für Elektroausbildung, in der Metallwerkstatt und der Tischlerei waren die jungen Leute auf ihre Abschlussprüfung vorbereitet worden. Ein Elektro-Azubi wird die Prüfung im Sommer wiederholen.

Die zwölf jungen Frauen und Männer hätten über den erfolgreichen Prüfungsabschluss hinaus aber weit mehr erreicht, sagte Sozialpädagoge Michael Wilhelm bei einer Feier: „Ihr habt den Beweis erbracht, dass man mit großem eigenen Engagement und der passenden Unterstützung trotz schwieriger persönlicher Ausgangsbedingungen den erfolgreichen Start in das eigene Berufsleben meistern kann.“

Im September 2007 hätten diese Jugendlichen nach vielen vergeblichen Versuchen der Ausbildungsplatzsuche dank der Förderung durch die ARGE Schwalm-Eder und durch das Hessische Sozialministerium eine Berufsausbildung in der Jugendwerkstatt Felsberg begonnen. Langsam seien sie ans fachliche und soziale Lernen herangeführt worden, heißt es in einer Pressemitteilung. Ihre Defizite im Vergleich mit Gleichaltrigen hätten die jungen Frauen und Männer aufarbeiten können durch die sozialpädagogische Betreuung, die in der Jugendwerkstatt Felsberg Hand in Hand geht mit der fachlichen Anleitung. Aber nicht nur das.

Die enge Zusammenarbeit der Jugendwerkstatt mit Partnerbetrieben aus der Region, die an der Nachwuchsgewinnung interessiert seien, habe dafür gesorgt, dass die meisten Auszubildenden nach der Ausbildung gleich eine Arbeitsstelle gefunden hätten. Manche waren bereits während ihrer Lehrzeit in betriebliche Ausbildung übernommen worden, andere sind direkt nach dem Ausbildungsabschluss in ein Arbeitsverhältnis übergegangen, berichtet die Jugendwerkstatt.

Von denen, die 2010 ihre Prüfung gemacht haben, haben 79 Prozent Fuß auf dem ersten Arbeitsmarkt gefasst.

„Von denen, die 2010 ihre Prüfung gemacht haben, haben 79 Prozent Fuß auf dem ersten Arbeitsmarkt gefasst“, bilanzierte Jutta Inauen stolz.

Diese „Erfolgsstory“ aber sei vermutlich ein Auslaufmodell, weil Bund und Land die Förderung benachteiligter junger Menschen weiter gegen Null senken. Bildungswege wie diese werde es dann nicht mehr geben „Was dann aus den Jugendlichen werden soll, die ohne Unterstützung keine Ausbildung schaffen und die auch trotz der Nachwuchssorgen vieler Betriebe keinen betrieblichen Ausbildungsplatz bekommen, sollten die Politiker ehrlicherweise dazu sagen“, findet Angelika Horstkotte-Pausch, Geschäftsführerin der Jugendwerkstatt Felsberg. (and)

Hintergrund: Kürzungen bedrohen die Jugendwerkstatt

Die Jugendwerkstatt Felsberg bildet seit 1984 Jugendliche mit Förderbedarf aus. Aktuell wird in den Bereichen Holz, Metall, Elektro, Büro, Hauswirtschaft und Malerhandwerk ausgebildet. Die Anzahl der geförderten Ausbildungsplätze ist bei der Jugendwerkstatt drastisch zurückgefahren worden.

Die von Bund und Land beschlossenen Kürzungen würden dazu führen, dass 2011 statt 30 gar keine oder nur noch vier Ausbildungsplätze neu besetzt werden könnten. Deshalb müssten die meisten Ausbildungsabteilungen geschlossen werden, teilt die Jugendwerkstatt mit. (red)

Quelle: HNA

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