Tüftler will Patent anmelden

Ausdünstungen der Kühe sollen im Stall zu Energie werden

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Wollen Methangas sinnvoll verwerten: Georg Leidebrand (links) und Dirk Hoos inspizieren einen Kuhstall.

Willingshausen. Die Kuh leistet dem Menschen schon seit Jahrtausenden wertvolle Dienste. Sie weidet die Wiesen ab, gibt Milch, liefert Fleisch und Dünger. Als unerwünschtes Nebenprodukt entsteht in ihrem Pansen, dem Wiederkäuermagen, bei der Verdauung der Nahrung aber viel Methan, das in die Atmosphäre entweicht.

"Methan gehört wie Kohlendioxid zu den klimaschädlichen Treibhausgasen. Es ist gefährlicher als C02 und somit ein Problem", erklärt Georg Leidebrand aus Wasenberg. Deshalb hatte er begonnen, über die Methandirektverwertung nach zu denken.

Denn neben seinen schädlichen Eigenschaften ist Methan zugleich ein sehr energiereiches Gas, und genau hier sieht der umtriebige Tüftler einen Ansatzpunkt für eine eigentlich recht naheliegende Idee.

So wurde er zum Erfinder der Ökoenergietrommel. Mit ihr will er die Ausdünstungen der Kühe direkt im Stall auffangen, reinigen, verdichten, speichern und dann mithilfe eines Blockheizkraftwerks in Strom umwandeln. "Im Prinzip macht meine Anlage nichts anderes als eine Biogasanlage. Mit einem gravierenden Unterschied. Meine Urbiogasanlage läuft auf vier Beinen und gibt auch noch Milch", so Leidebrand verschmitzt.

500 bis 800 Liter des brennbaren Gases produziert eine durchschnittliche Milchkuh pro Tag, zitiert Georg Leidebrand aus einer Studie des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie aus Dummerstorf und zeigt damit das wirtschaftliche Potenzial seiner Idee auf.

Im Gegensatz zu den traditionellen Biogasanlagen stützt sich Leidebrand mit seiner Methangewinnungsanlage auf vorhandene bäuerliche Strukturen. "Es muss kein zusätzlicher Mais angebaut werden und größere, kostenintensive Bauwerke sind nicht notwendig. Darüber hinaus entfallen auch die vielen Verkehrsbewegungen in der Erntezeit", zählt er weitere Umweltaspekte seiner Idee auf.

Einen potenziellen Interessenten für eine Testanlage hat der Wasenberger Daniel Düsentrieb auch schon gefunden. Im Stall von Dirk Hoos könnte eine Referenzanlage entstehen und die Umsetzbarkeit beweisen. "Sollte das wirklich klappen, wäre es eine tolle Sache", so der junge Landwirt.

Näheres möchte Leidebrand nicht preisgeben, denn seine Methangewinnungsanlage soll erst einmal zum Patent angemeldet werden. "Im Gegensatz zu einer konventionellen Biogasanlage wird meine Anlage nur knapp 150 000 Euro kosten und damit auch für kleinere Betriebe interessant sein." Dass die von den Wiederkäuern ausgestoßenen Mengen an Gas explosives Potenzial haben, zeigte ein kurioser Vorfall in Osthessen Anfang des Jahres: Pupsende und rülpsende Kühe sollen in der der Gemeinde Rasdorf laut Pressemeldungen beinahe ihren Stall in die Luft gejagt haben.

Die 90 Milchkühe hatten bei der Verdauung ihres Futters für eine extrem hohe Methan-Konzentration gesorgt, welche sich vermutlich durch statische Entladung entzündete. Aufgefangen und in einem Blockheizkraftwerk verstromt hätte das Gas dem Landwirt mehr Freude bereitet.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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