Manfred Schön hat Buch über seine Erinnerungen an das Nachkriegs-Naumburg geschrieben

Ausflug in die Kindheit

Manfred Schön

Naumburg. Freundlich war der Empfang in Naumburg nicht. Als die Schöns nach ihrer Vertreibung aus der Mittelslowakei 1946 endlich ankamen und ihnen eine Wohnung zugewiesen wurde, wollten die beiden Hauseigentümerinnen die vierköpfige Familie nicht aufnehmen. Erst ein Polizist überredete die Frauen, der Familie Quartier zu geben.

Manfred Schön war damals zwei Jahre alt. In den kommenden 13 Jahren sollte Naumburg ihm, seiner Schwester Josefine sowie seinen Eltern Anna und Johann eine neue Heimat sein. Es waren prägende Jahre voller Erlebnisse, die Manfred Schön nicht vergessen hat.

„Naumburg war mein Versuchslabor und mein Abenteuerspielplatz.“

1959 zog die Familie dann nach Kassel ins eigene Haus. Den Ort seiner Kindheit besuchte Manfred Schön erst 50 Jahre später wieder. Und dabei wurde ihm bewusst, wie präsent die Jahre in Naumburg noch in seiner Erinnerung sind. Zwangsläufig, so der heute 68-Jährige, sei die Idee gereift, diese Erinnerungen aufzuschreiben.

Wie ein Spaziergang

Die Erinnerungsarbeit habe einem Spaziergang durch eine Landschaft geglichen, in der er immer wieder Neues oder besser: Altes entdeckt habe. Diese Wiederentdeckungen protokollierte er, „und erlebte sie auf diese Weise ein zweites Mal“.

Daraus ist nun ein Büchlein entstanden, das Schön im Eigenverlag veröffentlicht hat. „In 37 Kapiteln habe ich aufgeschrieben, was bedeutsam war, was meinen Weg durch die Kindheit beeinflusste und begleitete.“ Der Titel: „Holz holen“, ein Hinweis darauf, dass es Momente aus dem Alltag sind, die sich in Schöns Buch finden und so 13 Jahre aus der Geschichte Naumburgs wiedergeben.

Holz holen war immer mittwochs angesagt. Mit einem Handwagen und ausgestattet mit einem städtischen Holzleseschein machten sich Manfred Schön und seine Mutter auf den Weg in den Wald - entweder ins Mühlenholz oder nach Hattenhausen - um Brennstoff zu organisieren.

Originale

Vor allem Naumburger und Leute, die selbst längere Zeit in Naumburg verbracht haben, werden die kurzweilige Reise in die Vergangenheit gerne unternehmen. Erinnerungen an das kleine Krankenhaus der Vinzentinerinnen werden wach, an die Volksschule, an das Milchholen beim Bauern, an das Kino in der Unteren Straße, die Kaufleute, aber auch an Naumburger Originale wie Störmers Fritz und die „Schnutt-Soffi“.

Man merkt dem Autor an, dass er gern zurückschaut auf die Jahre in Naumburg, an eine „insgesamt glückliche Kindheit“. Im Nachwort bringt Manfred Schön auf den Punkt, warum seine Kindheit hier so besonders war: „Naumburg war mein Versuchslabor und mein Abenteuerspielplatz. Hier konnte ich die Welt entdecken und erforschen, hier habe ich ein Gefühl für sie entwickelt: durch Berührung, durch Erfahrung, durch Erlebnisse.“

„Holz holen - Protokolle einer Kindheit in den 50er Jahren“ gibt es für 11,50 Euro in Naumburg im Café Milch&Zucker, in Wolfhagen in der Buchhandlung Mander und in Bad Emstal bei Schreibwaren Schmidt.

Quelle: HNA

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