Bei Ausgrabungen Fundamente des Hospitals der Heiligen Elisabeth entdeckt

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Fundort: Fundamente des mutmaßlichen Hospitals der Heiligen Elisabeth wurden bei Ausgrabungen an der Marburger Elisabethkirche entdeckt.

Marburg. Archäologen haben die Fundamente des mutmaßlichen Hospitals der Heiligen Elisabeth bei Ausgrabungen an der Marburger Elisabethkirche entdeckt. „Das ist ein großer Glücksfall“, sagte Grabungsleiterin Christa Meiborg bei der Vorstellung der Grabung.

Bis dahin waren die Historiker davon ausgegangen, dass das Hospital beim Bau der Elisabethkirche vollständig zerstört worden sei.

Bei dem Überraschungsfund handelt es sich um ein langgestrecktes Steingebäude, das mindestens 27 Meter lang war, ein Schieferdach und eine große Halle hatte: „Das ist ein repräsentativer Hallenbau, wie er dem Typus der Hospitäler dieser Zeit entsprach“, erklärte Meiborg. Damit muss auch die gängige Vorstellung korrigiert werden, nach der das von Elisabeth gegründete Hospital klein, armselig sowie aus Lehm und Stroh gebaut worden sei, sagte Meiborg. Möglicherweise wurden jedoch auch Arme und Kranke in den Fachwerkhütten gepflegt, die einst in der Nähe des mutmaßlichen Hospitals standen. Um die genaue Größe des Gebäudes herauszufinden, wird noch bis zu Herbst weitergegraben.

Die Heilige Elisabeth (1207-1231) war eine ungarische Königstochter, die 1228 nach Marburg kam. Vor den Toren der mittelalterlichen Stadtmauer errichtete sie das Hospital, in dem sie nach den Regeln des Franziskus von Assisi Kranke und Gebrechliche pflegte. Nach ihrem Tod wurde direkt neben dem jetzt entdeckten Steingebäude mit dem Bau der Elisabethkirche begonnen, die über ihrem Grab entstand. Meiborg vermutet, dass das Hospital auch nach dem Baubeginn weiter stand.

Die Archäologen untersuchen das Areal rund um die älteste gotische Kirche Deutschlands bereits seit sechs Jahren. Dabei wurden rund 200 Gräber, zum Teil mit vollständig erhaltenen Skeletten, entdeckt.

Bei den Bestatteten handelt es sich um Pilger und Hilfesuchende aus dem 13. Jahrhundert sowie um Brüder des Deutschen Ordens. Im Norden der Elisabethkirche konnten auch Überreste der Hospitalkapelle der Heiligen Elisabeth freigelegt werden. Zudem gelang es, zahlreiche Gebäudereste der Deutschordensniederlassung auszugraben.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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