Ausstellung „Legalisierter Raub“ im Wolfhager Regionalmuseum eröffnet

Wolfhagen. „Dieses Projekt ist eine große Chance für die Arbeit gegen das Vergessen, Verdrängen, Verharmlosen, Vertuschen und Verleugnen“, sagte Ernst Klein vom Verein gegen das Vergessen bei der Eröffnung der Ausstellung „Legalisierter Raub.

Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945“, die bis zum 7. April im Wolfhager Regionalmuseum zu sehen ist. „Die Ausstellung zeigt die Enteignung, Beraubung, Vertreibung und Vernichtung der Juden in Hessen während der Nazidiktatur, die Bürokratie des Bösen“, erklärte Wolfgang Schiffner vom Vorstand des Regionalmuseums. Erzählt werden dabei Geschichten von jüdischen Familien aus der Region, die mit Gesetzen und Verordnungen konfrontiert wurden, die ab 1933 auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Sie stellt die Beamten der Finanzbehörden vor, die die Gesetze in Kooperation mit weiteren Ämtern und Institutionen umsetzten, und sie erzählt von denen, die Opfer dieser Maßnahmen wurden. Die Ausstellung zeigt, wie das „Deutsche Reich“ durch die Reichsfluchtsteuer, zahlreiche Sonderabgaben und schließlich durch den vollständigen Vermögenseinzug sowohl an denen verdiente, die in die Emigration getrieben wurden, wie an jenen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten.

Nach den Deportationen kam es überall zu öffentlich angekündigten Auktionen aus „jüdischem Besitz“: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten die Besitzer.

„All diese Dinge haben sich nicht hinter verschlossen Türen ereignet, sondern in der Öffentlichkeit“, sagt Projektleiterin Dr. Bettina Leder-Hindemith vom Hessischen Rundfunk. Daher beschäftigt sich die Ausstellung auch mit der Frage, was die Bevölkerung tatsächlich davon gewusst hat. Um Antworten zu bekommen, haben sich die Ausstellungsmacher die Orte angesehen und mit Menschen, vornehmlich Zeitzeugen, gesprochen. Mit Sondervitrinen wird an jüdische Familien aus dem Altkreis Wolfhagen erinnert, die von der Ausplünderung durch die Nationalsozialisten betroffen waren.

Die Ausstellung ist mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und vielen lokalen Initiativen entstanden. Museumsleiterin Beate Bickel, Dekan Dr. Gernot Gerlach und Bürgermeister Reinhard Schaake sprachen zur Eröffnung. Katharina Stengel vom Fritz Bauer Institut führte in das Thema der Ausstellung ein. Helge Heynold vom Hessischen Rundfunk las aus Dokumenten zum Thema.

Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Filmen, Vorträgen, Lesungen und Zeitzeugenbegegnungen in Wolfhagen, Bad Arolsen, Zierenberg, Elbenberg und Hofgeismar wird die Ausstellung in den kommenden Wochen begleiten.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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