Ausstellung über den Weltreisenden und Schriftsteller A. E. Johann in Homberg

Homberg. „Du wirst am besten Beamter, mein Junge. Da hat man nicht viel, aber das hat man sicher“. Mit diesem Rat seines Vaters schienen bei Alfred Ernst Johann Wollschläger die Weichen für ein bürgerlich-preußisches Erdendasein gestellt.

Am Ende seines Lebens jedoch hatte der gebürtige Westpreuße die gesamte Welt bereist und unter dem Pseudonym A. E. Johann mehr als 80 Bücher sowie ungezählte Artikel verfasst. Eine Ausstellung über den wohl beflissensten Reiseschriftsteller des 20. Jahrhunderts ist noch bis zum 4. März in der Homberger Kreissparkasse zu sehen.

Nach Studium, Banklehre und kurzer Tätigkeit als Buch- und Wirtschaftsprüfer entdeckte A. E. Johann mit 26 Jahren seine eigentliche Bestimmung: Reisen und Schreiben. Fernweh, Entdeckergeist und Abenteuerlust trieben ihn zeitlebens in die Welt hinaus. Was mit einer Kanadareise 1927 als mittelloser Reporter der Vossischen Zeitung (Berlin) mit 17 Dollar Reisegeld begann, setzte sich über sämtliche Kontinente fort. Seine Erlebnisse hielt er in mehr als 80 Reiseberichten und Romanen fest.

In einem detaillierten, fesselnden Erzählstil beschrieb er atemberaubende Naturkulissen und prägende menschliche Begegnungen. Bereits nach seinen beiden Erstlingswerken wechselte er vom journalistischen Reiseberichterstatter zum Romanautor: Seine realen Reiseerlebnisse würzte er fortan mit Liebes-, Familien- und Schicksalsgeschichten.

Dabei lieferte er nicht nur leichte Kost, sondern konfrontierte seine Leser auch mit den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen vieler Länder. Ausgangspunkt für seine Reisen war stets Deutschland.

1945 führte sein Weg kurzzeitig auch in die hiesige Region (Kleinenglis, Ziegenhain, Wehren), bevor er von 1948 bis zu seinem Tod 1996 die Südheide als Heimat wählte. Den Bewohnern der dortigen Orte Groß Oesingen und Oerrel setzte er in dem Buch „Die Menschen von Babentin“ (1980) ein literarisches Denkmal.

Mit 85 Jahren führte ihn seine letzte große Reise noch einmal 9000 Kilometer im Jeep quer durch jenes Land, dem zeitlebens seine größte Liebe galt: Kanada. In seinen späten Werken schließlich zog er Bilanz über eine Welt, die er hautnah erlebt und stets liebevoll-kritisch beobachtet hatte. Am besten gefielt es ihm dort, „wo Frieden herrscht und Freiheit“. (zse)

HINTERGRUND

Die Ausstellung umfasst Schautafeln, Exponate sowie zahlreiche Bücher Johanns. Rudi Zülch, Johann-Biograf aus Völkershain und Gründer der A. E. Johann-Gesellschaft, hat sie zusammengestellt. Er entdeckte als Jugendlicher seine Leidenschaft fürs literarische Werk Johanns, 1994 besuchte er den damals 93-Jährigen in der Südheide. Seit 1999 dokumentiert er dessen Leben und Werk. Neben der Ausstellung entstanden zudem ein Hörbuch mit Texten Johanns sowie eine DVD. Seit vergangenem Jahr verleiht die Gesellschaft den A. E. Johann-Preis an junge Menschen, die in unterschiedlichen Publikationsformen über ihre Reiseerlebnisse berichten. (zse)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare