Auto-Teilen auch für Landeier

Zwei Frauen wollen Carsharing in Fritzlar etablieren

Verzichten bewusst aufs eigene Auto: Ulrike Keß (links) und Annette Mucker erledigen viele Wege per Rad. Nicht immer reicht das aus. Deshalb wollen sie Carsharing in Fritzlar etablieren. Foto: Yüce

Fritzlar. Bislang ist Carsharing etwas für Großstädter. Auf dem Land besitzen die Menschen eher ein Auto, statt es zu teilen. Das würden Annette Mucker und Ulrike Keß aus Fritzlar gerne ändern.

Sie glauben, dass sich auch jenseits von Berlin oder München die Idee des Autoteilens ausbreiten könnte.

„Carsharing, das muss doch auch in Fritzlar klappen“, sagt Annette Mucker, die aus Überzeugung kein eigenes Auto hat. Auch Ulrike Keß hat ihr Auto ganz bewusst abgeschafft. „Das Leben ohne Auto funktioniert meistens ganz prima“, sagt sie. Zumindest, wenn man nichts Schweres transportieren muss oder am Wochenende nicht zu einem 70. Geburtstag nach Bad Zwesten muss oder am Sonntagmorgen zu einem Volkshochschulkurs nach Kassel. Denn dann könne es schon mal nervig sein, kein Auto zu haben.

Das Auto teilen 

Die Frauen wissen: Wer ohne eigenen Wagen auf dem Land lebt, ist schnell aufgeschmissen, wenn der Bus mal nicht fährt. Doch sich nur ein Auto anzuschaffen, weil man am Wochenende schlecht nach Bad Zwesten oder Kassel kommt? Nein. Das wollen Mucker und Keß nicht. Sie hoffen, dass es vielen Menschen ähnlich geht.

Über sechs Millionen Deutsche können sich vorstellen, Carsharing zu nutzen. Aber nur gut eine Million hat sich nach Schätzungen des Bundesverbandes CarSharing bislang bei einem der gut 130 Anbieter angemeldet. Bei den hohen Benzinkosten, Parkplatzmangel in der Stadt und zunehmend leeren Geldbeuteln könne einem auch die Lust am eigenen Auto vergehen, so Mucker. Nicht zuletzt schone man mit einem geteilten Auto die Umwelt.

Ansprechen wollen sie mit ihrer Initiative Menschen, die kein Auto haben, vom Studenten bis zum Senioren. Solche, die einen Zweitwagen haben, diesen aber nicht ständig brauchen. „Wenn sie die Möglichkeit zum Carsharing hätten, würden sie vielleicht darauf verzichten“, sagt Mucker.

Wie genau das mit dem geteilten Auto laufen könnte, dafür haben die Frauen schon Ideen gesammelt. „Man könnte sich gemeinsam ein Auto kaufen und dieses dann teilen“, sagt Annette Mucker. „Man könnte das Carsharing-Angebot mit dem Anruf-Sammeltaxi verknüpfen, um auch die Menschen in den Dörfern um Fritzlar mit einzubinden“, sagt Ulrike Keß. Oder man könnte mit einem Carsharing-Anbieter aus Kassel zusammenarbeiten. Oder man könnte - wie es in vielen Großstädten bereits umgesetzt wird - mit Autohäusern zusammenarbeiten. Hersteller wie BMW, Mercedes, Ford, Opel, VW und andere hätten erkannt, dass sie die Auto-Verweigerer nicht als Kunden bekommen werden. „Deshalb bieten sie das Carsharing als Dienstleistung an“, sagt Mucker.

Oder. Oder. Oder. Es gebe viele Möglichkeiten und vermutlich noch mehr als ihre Ideen. Deshalb wollen sie auch keine Vorgaben machen, sondern erstmal nur abklopfen, ob überhaupt ein Interesse an der Idee vom Auto-Leihen für Landeier besteht. „Wir wollen den Impuls geben“, sagt Keß.

Wer Interesse an der Carsharing-Idee hat, kann sich bei Ulrike Keß und Annette Mucker melden. Telefon: 0172/4469815 (Ulrike Keß) oder per Mail: Annette.Mucker@gmx.de 

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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