Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen Umleitung nehmen

Staus wegen Sperrung der Bergshäuser Brücke: Ingenieure fordern schnelleres Handeln der Politik

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Ist marode und wird abgerissen: Wo und wann die neue Bergshäuser Brücke gebaut wird, ist noch nicht klar.

Die Folgen der Sperrung der maroden Bergshäuser Brücke der Autobahn 44 für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen bekommen Lastwagenfahrer und Pendler zu spüren.

Sie müssen sich auf der Südtangente zwischen dem Westkreuz Kassel und dem Anschluss an die A 7 bei Lohfelden oft durch kilometerlange Staus quälen. Seit Januar dürfen Lastwagen über 3,5 Tonnen die Brücke nicht mehr überfahren - kontrolliert wird das mit einer Waage.

Die Spezialisten für Brückenbauten vom Ingenieurbüro EHS in Lohfelden appellieren an die Politik und fordern schnellere Genehmigungsverfahren für Brückenneubauten.

Wie lange Autofahrer unter den Staus leiden müssen, weiß momentan keiner. Denn es ist noch nicht einmal über die Trassenführung des geplanten Neubaus der Bergshäuser Brücke endgültig entschieden worden. Doch diese Staus haben auch ihr Gutes, sagt Dr. Hans-Heinrich Osteroth, Geschäftsführer des Lohfeldener Ingenieurbüros EHS. „Sie haben das Problem der maroden Brücken auf Autobahnen und Bundesfernstraßen in den Fokus der Politik gerückt“, sagt er.

Derzeit wird die restliche Lebensdauer von 40.000 Brücken in Deutschland ermittelt

„Die Bergshäuser Brücke befindet sich in guter Gesellschaft“, erklärt Osteroth. Viele Brücken seien in Deutschland erneuerungsbedürftig, an zahlreichen Projekten zur Erneuerung oder Sanierung von großen Talbrücken oder Flüsse überspannenden Bauwerken, wie beispielsweise der Talbrücke Eisern im Zuge der Sauerlandlinie A 45 oder der Neckar-Querung der A 6 bei Heilbronn, ist EHS beteiligt. Die Lohfeldener Ingenieure übernehmen die Planung, Bauüberwachung und die Ausschreibung. Die Straßenbauverwaltungen seien momentan bei einer Bestandsaufnahme aller Brücken von Bundesfernstraßen und Autobahnen, sagt Osteroths Geschäftsführungskollege Dr. Björn Schmidt-Hurtienne: „Es wird ein Kassensturz gemacht und die restliche Lebensdauer aller 40.000 Brücken ermittelt.“

Ähnliche Probleme auch an der Rhein-Brücke bei Leverkusen

Die Probleme der Bergshäuser Brücke seien vergleichbar mit der ebenfalls abrissreifen Rhein-Brücke in Leverkusen, sagt Osteroth. Für diesen Neubau hat das Ingenieurbüro die Bauüberwachung übernommen. Beides seien Stahlbrücken, deren Erbauer damals nicht vorhersehen konnten, wie gewaltig der Verkehr von schweren Lastwagen später einmal anschwellen würde. 

Das Tragwerk der Rhein-Brücke habe außerdem unter einer zusätzlichen Belastung gelitten, weil man später einfach jeweils eine weitere Fahrbahn angebaut habe. „Damals wurde außerdem sparsamer mit dem Material umgegangen, die Schweißtechnik war noch nicht so weit entwickelt“, erklärt der EHS-Ingenieur und EHS-Mitgeschäftsführer Guido Göttlicher. Bei der Bergshäuser Brücke seien im übrigen Nieten zur Befestigung der Fachwerk-Tragteile eingesetzt worden. „Diese sind besonders anfällig für wechselnde Beanspruchungen, wie sie vor allem der Schwerlastverkehr auslöst“, sagt Göttlicher.

Sanierungsstau hätte vermieden werden können

Der jetzige Sanierungsstau hätte sich nur vermeiden lassen, „wenn man die Brücken rechtzeitig grundlegend repariert hätte“, sagt Osteroth. Doch damals habe das Geld gefehlt. Es sei in den Aufbau der Infrastruktur in den neuen Bundesländern geflossen. Die Staus sind nun eine zwangsläufige Folge der Versäumnisse. Allerdings könne man die Leidenszeit der Autofahrer verkürzen, meinen die EHS-Ingenieure. Nötig dafür sei eine Straffung der Genehmigungsverfahren für Brückenneubauten. Einen Trost haben die EHS-Experten auch noch für die Betroffenen: Die heute neu gebauten Brücken sollen 100 Jahre halten.

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