Briefe in einem Buch veröffentlicht

Ein Buch über die Großeltern: Eine Liebe, die sich in Briefen entfaltete

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Angelika Lengemann erzählt im Buch von der Liebe ihrer Großeltern.

Bad Emstal. Die Bad Emstalerin Angelika Lengemann hat die über 100 Jahre alte Post ihres Großvaters gefunden und ein Buch darüber geschrieben.

Die Kiste, die Angelika Lengemann im Nachlass ihres verstorbenen Vaters entdeckte, war der Familie viele Jahrzehnte verborgen geblieben. Sie war verschlossen, ein Schlüssel fehlte, der Inhalt ein Geheimnis. Als die Bad Emstalerin die Schatulle von einem Fachmann öffnen ließ, fiel ihr der Stoff in den Schoß, den sie in den darauffolgenden Wintern zu einem Buch verarbeitet hat.

Ungefähr 50 Liebesbriefe der Großeltern

„Es war eine kleine Schatztruhe, die ich da in meinen Händen hielt“, sagt die 66-Jährige rückblickend. Etwa 50 Briefe lagen vor ihr. Sie stammen von ihrem Großvater Otto Fischer, geschrieben an Elise, Angelika Lengemanns Großmutter. 

Die jungen Leute waren in Udenhausen bei Grebenstein aufgewachsen und hatten sich ineinander verliebt. Doch die Lebensumstände trennten das junge Glück. Zunächst kehrte Otto Fischer seinem Heimatdorf den Rücken, um in der Fremde Geld zu verdienen. Dann war es der Erste Weltkrieg, der die Liebenden in eine Fernbeziehung drängte.

Sütterlin-Schrift war anfangs schwierig zu lesen

Mehrere hundert Postkarten, die die Familie in einem Album aufbewahrte und in dem Angelika Lengemann oft mit ihren Brüdern und der Großmutter geblättert hatte, ergänzen die Briefe. „Alles war in Sütterlin geschrieben“, sagt die Bad Emstalerin. Anfangs habe sie die Post Buchstabe für Buchstabe übersetzt und in ihren Computer übertragen. Später formten sich die Sätze leichter unter ihren Fingern und sie bekam ein Gefühl für die Sprache ihres Opas.

Führten über viele Jahre eine Fernbeziehung: Elise und Otto Fischer aus Udenhausen bei Grebenstein. Die Großeltern von Angelika Lengemann aus Bad Emstal-Sand schrieben sich zahlreiche Briefe und Karten. Die von Otto Fischer wurden vor wenigen Jahren entdeckt.

Als die Hobby-Autorin, die bereits 2014 und 2016 zwei Bücher veröffentlicht hat, alles übersetzt hatte, machte sie sich im nächsten Winter daran, die Geschichte ihrer Großeltern in einem Buch zu bündeln. Unter dem Titel „Mir geht’s noch gut...“ hat sie eine Auswahl an Briefen und erläuternden Texten zusammengefasst. 

Autorin ist beeindruckt von der Liebesbeziehung

Ihr Ehemann Manfred half beim Layout. Vor wenigen Tagen ist das Buch nun erschienen. „Am meisten beeindruckt bin ich davon, wie ihre Beziehung eine so lange Zeit überstanden hat“, sagt Angelika Lengemann. Zwischen 1911 und 1918 habe sich die Liebe der Großeltern nur auf Briefpapier und Karten entfalten dürfen. In dieser Zeit hatten sie sich nur selten gesehen und während des Krieges einzig dann, wenn der an den Fronten eingesetzte Pionier Urlaub bekam.

Führten über viele Jahre eine Fernbeziehung: Elise und Otto Fischer aus Udenhausen bei Grebenstein. Die Großeltern von Angelika Lengemann aus Bad Emstal-Sand schrieben sich zahlreiche Briefe und Karten. Die von Otto Fischer wurden vor wenigen Jahren entdeckt.

Wer das Büchlein liest, bekommt ein Gespür für das Lebensgefühl während des Krieges. Not und Entbehrung drücken sich im überschwänglichen Dank für die vielen Pakete aus, die Lisel, wie Otto seine große Liebe nennt, ihm an die Front schickt. Zärtliche Worte, Sehnsüchte, Hoffnungen – sie ziehen sich durch alle Briefe, „und sie haben nie den Mut verloren“, sagt Angelika Lengemann mit Blick auf das Leben von heute und die Schnelligkeit, mit der oft Verbindungen zwischen zwei Menschen getrennt werden. Ihre Großeltern heirateten im September 1918.

Wo es das Buch zu kaufen gibt

Das Buch „Mir geht’s noch gut...“ kostet zehn Euro und kann an drei Adressen gekauft werden. Es wurden zunächst 100 Exemplare gedruckt: 

  • Angelika Lengemann, Breslauer Straße 3, Sand 
  • Foto Schwarz, Kasseler Straße 29, Sand 
  • Fritz Fischer, Borneweg 11, Udenhausen

Quelle: HNA

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