Das Baby-Experiment an der Homberger Hermann-Schafft-Schule

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Eltern auf Probe: Die Hermann-Schafft-Schüler Theresia Többen, Ibrahim Turan, Sören Steiner, Melinda Kechter, Jürgen Pappert und Svenja Riedl mit den Babypuppen. 

Homberg. Sie bleiben über Nacht, sie weinen und schreiben, haben Hunger, die Windeln voll oder müssen einfach nur getröstet werden. 21 Schüler der Homberger Hermann-Schafft-Schule haben jetzt probeweise Erfahrungen mit Säuglingen gemacht.

Allerdings handelte es sich dabei nicht um echte Kinder, sondern um realistisch gestaltete Babypuppen. Nicht alle Teilnehmer nahmen eine Puppe für eine oder sogar zwei Nächte zu sich, erläuterte Lehrerin Kirsti Garbyan. Das sei freiwillig gewesen.

Auffällig sei jedoch, dass die Bereitschaft, sich auch nachts auf das Experiment einzulassen, bei den Mädchen deutlich stärker ausgeprägter sei - nur zwei Jungs ließen sich darauf ein. Über die sagt die Lehrerin allerdings: „Die Jungs sind härter im Nehmen.“

Mit dem Experiment sollten die 14 bis 17 Jahre alten erfahren, was es bedeutet, Verantwortung für ein Baby zu übernehmen. „Was bedeutet es, gute Eltern zu sein?“, sei eine der wichtigen Fragen bei dem Experiment, sagt Garbyan.

Begleitend wird mit den Schülern, die meisten stammen aus der 9. Haupt- und Realschulklasse, über die Zukunft gesprochen. Auch Verhütung und Schwangerschaft spielten eine Rolle.

Verantwortung abgeben geht übrigens bei dem Experiment nicht. Wer dachte, er könne das Puppenbaby in der Nacht der eigenen Mutter oder der Oma überlassen, hat sich getäuscht. Es seien Sensoren eingebaut, die dafür sorgen, dass nur die Person das Baby beruhigen kann, die dafür vorgesehen ist, erläutert die Lehrerin. Frühe Schwangerschaften seien eine Ausnahme, sagt Garbyan aus ihrer Erfahrung an der Schule. Doch bei den Schülern, die am Experiment teilnahmen, handele es sich um die Altersgruppe, die häufig schon Beziehungen hätten Übrigens sei jedes der Babys anders. So könne es durchaus sein, dass die Puppe sich in der Nacht kein einziges Mal zu Wort meldet. Es kann aber auch sein, dass die Mama oder der Papa auf Zeit siebenmal aus dem Schlaf gerissen werden. Ganz wie im richtigen Leben also.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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