Bahnhof Wabern: Keine Chance für Gedenk-Tafel für Sudentendeutsche

Horst W. Gömpel

Wabern. Vor 70 Jahren sind die ersten Transporter mit Vertriebenen aus dem Sudetenland am Bahnhof Wabern angekommen. An ihr Schicksal möchte Horst W. Gömpel mit einer Gedenktafel am Bahnhof erinnern.

Eine Gedenktafel gibt es schon - am Bahnhof Treysa. Jetzt soll eine in Wabern folgen.

1200 Menschen waren damals auf 40 Viehwaggons verteilt. In den Monaten danach folgten elf weitere Transporte mit insgesamt 12.000 Sudetendeutschen.

Sie kamen vermutlich auch im Waberner Bahnhof an: Flüchtlinge aus dem Sudetenland vor ihrer Wohnung in der Baracke in Homberg-Berge im Jahr 1952. Das Foto stammt aus der Chronik zur 750-Jahrfeier, die Berge in diesem Jahr begeht. Repro: nz

Seit einem Jahr setzt sich Gömpel beim Eigentümer des Bahnhofsgebäudes, der Gemeinde Wabern, dafür ein. Ohne Erfolg. Der Gemeindevorstand hat sich gegen eine Gedenktafel entschieden. „Das Schicksal der Sudetendeutschen ist nur ein Aspekt. Wir wollen mehrere betrachten“, sagte Bürgermeister Claus Steinmetz auf HNA-Anfrage. Dazu gehöre etwa das Schicksal der Juden während des Nationalsozialismus. Von Wabern aus habe es auch Transporte gegeben. Gömpels Idee war jetzt Thema in der Jahreshauptversammlung des Geschichts- und Kulturkreises Wabern. Vorsitzender Manfred Uchtmann habe in der Versammlung die Geschichte der Sudentendeutschen skizziert. Anschließend habe es eine lebhafte Diskussion über das Für und Wider einer Gedenktafel am Bahnhof gegeben. Mit großer Mehrheit haben die Mitglieder schließlich gegen eine Gedenktafel gestimmt. „Das ist eine klare Ansage. Aber sie bedrückt mich“, sagte Gömpels Frau Marlene, die 1946 selbst mit einem Transport aus dem Sudetenland am Bahnhof Wabern angekommen ist.

Ein Kompromiss

Jedoch könnte es aus Sicht des Geschichts- und Kulturkreises einen Kompromiss geben. Der Verein möchte im nächsten Jahr einen „Erinnerungspfad“ im Ort schaffen. Neun Skulpturen, die beim Bildhauer-Symposium im vergangenen Jahr entstanden sind und einen Bezug zur Gemeinde haben, sollen an verschiedenen Plätzen aufgestellt werden. Denkbar ist laut Uchtmann, mit einer Tafel auf die Geschichte des Waberner Bahnhofs einzugehen. „Der Bahnhof ist ein Mikrokosmos der deutschen Geschichte“, erklärt Thomas Schattner, der sich um die Waberner Chronik kümmert.

Auf einer Tafel könnten die „vielen Transporte jeglicher Art“ aufgeführt werden. Auch die Sudendeutschen-Transporte wären ein Thema. Um das Schicksal der Menschen zu würdigen, sei das jedoch nicht der richtige Rahmen. Dafür eigne sich die Chronik, die zum 1200-jährigen Bestehen Waberns im nächsten Jahr erscheinen soll.

Horst W. Gömpel reicht dieser Kompromiss nicht. Er möchte weiter mit einer eigenen Tafel an die Geschichte der Sudetendeutschen erinnern. Wenn auch nicht in Wabern. „Ich möchte die Tafel an einem würdigen Standort in Fritzlar-Homberg unterbringen“, betonte der Schwälmer.

Quelle: HNA

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