Kultusministerium streicht die Förderung für das JeKi-Programm an Grundschulen

Bald bleibt die Flöte stumm

Noch sind sie aktiv: Zwei musikalische Arbeitsgemeinschaften der Schule an den Türmen in Fritzlar, eine für Gitarren, die andere für Holzbläser. Vorne die Lehrer Ezekias Wangge (links) und Zlatinka Georgieva von der Musikschule Schwalm-Eder. Foto: privat

Schwalm-Eder. Noch sind sie begeistert bei der Sache: 25 Kinder pro Jahrgang lernen an der Grundschule an den Türmen in Fritzlar ein Instrument wie Gitarre oder Klarinette, erhalten zusätzlichen Musikunterricht und spielen auf Orff-Instrumenten. Nach den Sommerferien sollten Cello und Geige dazu kommen.

Alles dank eines Landesprogramms namens JeKi: „Jedem Kind ein Instrument“ hieß es 2008, und die Fritzlarer Schule war eine von 70 in Hessen, die dafür ausgesucht wurde. Doch das bei Eltern und Kindern beliebte Projekt soll zum Schuljahresende 2011/12 ersatzlos gestrichen werden.

Das teilte Kultusministerin Dorothea Henzler jetzt in einem Brief den JeKi-Schulen mit. „Sie schreibt, dass die Schulen und Musikschulen doch nun gut eingespielt seien und sich bemühen sollten, das geschaffene Musikangebot an den Grundschulen aufrecht zu erhalten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Fördervereins der Grundschule. Leider habe die Ministerin keine Vorschläge unterbreitet, wie die Grund- und Musikschulen die fehlenden 10 000 Euro im Jahr für Instrumente und Gehälter finanzieren sollen.

Von Nachricht überrascht

Iris Nitschke, Rektorin der Fritzlarer Schule, und Inga Klöpfel, Leiterin der Musikschule Schwalm-Eder, wurden von der Nachricht über die Streichung der Fördermittel völlig überrascht und stehen ratlos vor einem 10 000 Euro-Finanzierungsloch. „Das Interesse am JeKi-Unterricht für alle Jahrgangsstufen ist sehr groß“, so Nitschke. „Eine Preiserhöhung für die Eltern würde zur Folge haben, dass die sozial schwächeren Kinder keine Gelegenheit hätten, ein Instrument zu lernen.“

Derzeit nehmen etwa 50 Kinder der 1. und 2. Klassen an einer zusätzlichen Stunde Musikunterricht pro Woche teil. Diese Kinder werden von zwei Lehrkräften, einer Musik- und Instrumentallehrerin (Musikschulpädagogin) der Musikschule Schwalm-Eder und einer Musiklehrerin der Grundschule, unterrichtet. Dort erwerben sie musikalische Grundkenntnisse, spielen auf Orffinstrumenten und Glockenspielen.

„Eine Preiserhöhung für die Eltern würde wieder zur Folge haben, dass die sozial schwächeren Kinder keine Gelegenheit hätten, ein Instrument zu lernen.“

Iris Nitschke, Schulleiterin Fritzlar

Etwa 20 Schüler der 3. und 4. Klassen werden in Kleingruppen in den gewählten Instrumenten unterrichtet. Der Beitrag für die wöchentliche Unterrichtsstunde beträgt im Monat 12,50 Euro, Empfänger von Sozialhilfe und Alg II bekommen 50 Prozent Ermäßigung. Sie können den Unterricht über die zehn Euro Teilhabebeitrag aus dem Bildungspaket zahlen. Bisher müssen diese Kinder auch keine Leihgebühr von zehn Euro im Monat bezahlen.

Bliebe es bei der Streichung, wird der Monatbeitrag auf mindestens 15 Euro steigen, die Musiklehrer müssten mit Einbußen rechnen. Elternbeirat und Förderverein haben sich deshalb zusammengeschlossen, um Protest beim Kultusministerium gegen die Streichung der JeKi-Mittel einzulegen. „Wir sind total enttäuscht, dass dieses Projekt einfach gestrichen wird“, sagt Birgit Schöneberg, Vorsitzende des Elternbeirates. Aber selbst für einen engagierten Förderverein sei es unmöglich, ein solches Finanzierungsloch zu stopfen.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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