Bei einem romantischen Abendständchen vor dem Dom waren die Zuhörer dem Alltag weit entrückt

Balsam für Geist und Nerven

Stimmungsvolle Serenade: Vor der Kulisse des Fritzlarer Doms erlebten die Zuhörer am Freitag einen Abend mit klassischen Abendliedern. Foto: Auerbach

Fritzlar. „Abend wird es wieder, über Wald und Feld …“ Schöner, sanfter Chorgesang erfüllte den Grashof. Umgeben vom angestrahlten mittelalterlichen Mauerwerk und den gotischen Maßwerkfenstern des Kreuzgangs von St. Peter in Fritzlar und entrückt vom Alltag, erlebten viele Zuhörer sitzend und viele stehend einen klangvollen, besinnlichen Abend.

Domorganist und Chorleiter Gunther Hehenkamp war sich der Mitwirkung von Chorschola und Domchor sicher und wählte klassische Abendlieder und kurze Werke für die Harfe in das Programm. Mit diesen Zutaten gelang ein romantisches Abendständchen, in dem sich eine stimmungsvolle Atmosphäre entwickelte.

Effektvoll eröffnete die Chorschola das Konzert aus dem Südflügel des Kreuzgangs heraus mit schlichtem Gregorianischem Gesang und dem Choral „Christus, du bist der helle Tag“. Danach bewiesen die Sänger des Domchors in schönen, mehrstimmigen Chorsätzen die Fähigkeit zum lyrischen Ausdruck. Den Gesang untermalten Gunther Hehenkamp am Klavier und Erika Gunzert und Vivien Donhauser mit dem Violoncello und der Violine. „Komm, Trost der Welt“ von Joseph von Eichendorff trug Christof Krieg als Solist mit kräftigem Bass vor. Er ließ sich auch von minutenlangem Glockengeläut nicht aus dem Konzept bringen. Zuhörer empfanden das Glockensignal während des Konzerts als störend.

Hell und schön klang der Sopran von Anna Hahn im „Nachtgebet“ von Gabriel Rheinberger. Doch wenn sie gemeinsam mit dem Domchor sang, dominierte ihre starke Stimme. Herzergreifend innig und ernst, fast wie ein Gebet, ließ der Chor die vierstimmige Melodie „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius aufblühen. Als Solistin des Abends brillierte Helene Schütz aus Bonn an der 47-saitigen Konzertharfe. Die Harfenistin setzte mit meisterlichem Spiel musikalische Glanzpunkte in Sonaten von Domenico Scarlatti, dem Nocturne für Harfe von Michail Glinka, der Etüde Le Matin von Marcel Tournier und in einem Stück von John Thomas.

Dr. Peter-Felix Ruelius (Schulzeit in Fritzlar, Theologe, Autor, Leiter der Stabsstelle für Christliche Ethik, Spiritualität und Seelsorge bei der Gruppe Barmherzige Brüder Trier e. V) trug zwischen den Musikstücken noch Prosatexte und Gedichte vor. Leider waren die Mitwirkenden im Dunkeln nur schemenhaft erkennbar. Man hielt es wohl nicht für nötig, sie zu beleuchten.

Und dass mit Konzertbeginn, deutlich hörbar auch der Katholische Bläserchor sein Probenspiel begann, lässt auf mangelnde Abstimmung schließen. Dennoch, der Sternenhimmel, die Schönheit der Musik und die Kraft der poetischen Worte verbanden sich zu einem harmonischen Ganzen. Das war Balsam für Geist und Nerven der Zuhörer.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare