Beim TÜV Fritzlar warten Fahrschüler auf ihre Prüfungen – 2. Teil der Adventsserie

Bangen im kalten Wind

Kurz vor der Abfahrt zur Prüfung: Mirco Spieß aus Fritzlar und Fahrlehrer Werner May von der Fahrschule Thimm. Fotos: Dellit

Fritzlar. Mirco Spieß steht im kalten Dezemberwind und tippt. In den Händen hält er sein Handy und lässt die Finger über die Tasten gleiten.

Mirco wartet. Er wartet auf die Dreiviertelstunde, die darüber entscheidet, ob er ab dem nächsten Tag allein am Steuer eines Autos sitzen und fahren darf. Mirco Spieß wartet auf seine Fahrprüfung.

Treffpunkt für Prüflinge, Prüfer und Fahrlehrer ist der Parkplatz vor dem TÜV-Gebäude in Fritzlar. Der 18-jährige Fritzlarer nutzt die Zeit, um per Handy und Internet mit Freunden Kontakt zu halten.

Einer davon hat am selben Tag seine Prüfung bestanden und gibt Hinweise, worauf sein Prüfer geachtet hat. „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, sagt der Fachoberschüler. Zum Unterricht geht er an diesem Tag nicht. „Man soll sich ganz auf die Fahrprüfung konzentieren“, zitiert er einen Tipp der Fahrlehrer.

Gut geschlafen

Schlecht geschlafen hat Mirco Spieß vor diesem spannenden Tag nicht. Um 10 Uhr sei er aufgestanden, erzählt er. Nun steht er hier in der Kälte vor dem schmucklosen Gebäude und wartet auf 13.15 Uhr – dann soll es losgehen.

Gegen die Nervosität lässt sich wenig unternehmen, sagt Fahrlehrer Ulf Warlich aus Borken, der an diesem Tag mit einem Schüler eine Prüfung mit Anhänger vor sich hat.

Jeder reagiere in der Phase der Anspannung anders. Der eine laufe immer hin und her wie ein Tiger, der andere werde ganz ruhig, obwohl er sonst eine große Klappe hat.

Warlich weist seine Prüflinge immer wieder darauf hin, dass sie fahren können. Schließlich hätten sie lange genug geübt und seien gut ausgebildet. „Sonst würden wir gar nicht mit ihnen hierher fahren“, sagt der Fahrlehrer. Für viele ist die Testfahrt mit dem Mann vom TÜV die erste richtige Prüfung im Leben, gibt Werner May von der Fahrschule Thimm zu bedenken. Er ist der Fahrlehrer von Mirco Spieß. Sein Tipp: Bloß bei der Prüfungsfahrt nichts ausprobieren, was man sonst auch nicht geübt hat. Bei Mirco Spieß ist die Botschaft offenbar angekommen.

Eine Dreiviertelstunde, nachdem er mit Prüfer und Fahrlehrer vom Hof des TÜV gerollt ist, bekommt er das ersehnte Papier: den Führerschein. Jetzt darf er auch auf eigene Faust mit einem Auto unterweg sein, demnächst wird er das Auto seiner Eltern bekommen, wenn diese einen neuen Wagen kaufen.

Kurz nach der Abfahrt habe sich die Aufregung gelegt, sagt der Schüler. Die Minuten in der Dezemberkälte, das Bangen bis zur großen Stunde, daran dürfte er jetzt kaum noch denken. Am Morgen vor der Prüfung hatte Mirco Spieß noch gesagt: „Das Warten ist schon doof.“

Quelle: HNA

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