Vor Weihnachten auf der Geburtsstation im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist – 4. Teil unserer Adventsserie

Banges Warten auf ein neues Leben

Das Warten hat sich gelohnt: Nicole Ulbricht und Mirco Günther aus Geismar mit ihrem gerade geborenen Sohn Tom. Foto: Dellit

„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lukas 2,7)

Fritzlar. Es ist wohl die existenziellste Form des Wartens: das Warten darauf, dass ein neues Leben beginnt. In der Geburtsstation im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist ist der Ausnahmefall Alltag.

So wie bei Nicole Ulbricht aus Geismar. Eine halbe Stunde vor Mitternacht hatte sie einen Blasensprung. Doch bis zur Geburt sollte es noch mehr als acht Stunden dauern. „Ich hatte nur Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen“, erzählt die 28-Jährige. An ihrer Seite saß Mirco Günther und litt mit. Dennoch, so sagen beide, gingen die Stunden schnell vorbei. Am Morgen hörten sie dann, es könne noch einige Stunden dauern. Doch so kam es nicht: Um 8.07 Uhr kam Tom zur Welt, 3630 Gramm schwer und 53 Zentimeter groß.

Vor diesen Stunden lag eine viel längere Wartezeit, die Schwangerschaft. Vorzeitige Wehen, Krankenhausaufenthalte und auch noch ein Verkehrsunfall gehörten dazu. Dennoch sei es keine Zeit großer Sorgen gewesen, sagen die Eltern.

Am schwierigsten war die Zeit für die vierjährige Fiona, die sehnsüchtig auf ihren Bruder wartete. Wenn die Mutter im Krankenhaus war, wollte sie immer wissen, ob ihr Bruder noch drin sei, erinnern sich die Eltern. Sie sagten ihr, er komme, wenn der Weihnachtsmann schon da war – errechneter Geburtstermin war der 10. Januar. Nun war Tom schneller als der Weihnachtsmann.

Ständig unter Strom

Zur Nervenprobe entwickelte sich die Schwangerschaft für Verena Donners und Heiko Wittner aus Uttershausen. Seit September stehe sie ständig unter Strom, sagt Verena Donners. Damals erfuhren sie, dass der Junge Probleme mit den Nieren haben würde. Das sei nicht lebensbedrohlich, mache ihnen aber Sorgen.

Die Aufregung war groß, regelmäßig musste die Uttershäuserin an den Wehenschreiber im Fritzlarer Krankenhaus. Die Geburt soll im Klinikum Kassel sein, weil es dort auch eine Kinderstation gibt.

Schwankende Stimmung

„Es gab Stimmungsschwankungen von hoch bis tief“, beschreibt Heiko Wittner die Zeit der Schwangerschaft. Beide freuen sich auf den Tag, an dem der Junge das Licht der Welt erblickt. „Ich bin ja auch total neugierig, wie er aussieht“, sagt Donners. Hebamme Elke Pepic hat es täglich mit mehr oder weniger nervösen Elternpaaren zu tun. „Es ist unser Job, sich nicht von der Ungeduld anstecken zu lassen“, sagt sie. Sie versuche, viel Gelassenheit auszustrahlen.

Ein Kind, wie Maria, in einem Stall ohne medizinische Hilfe zu bekommen, das können sich die Eltern im Fritzlarer Krankenhaus unter keinen Umständen vorstellen. Verena Donners sagt: „Ich bin froh, dass ich in der heutigen Zeit lebe.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare