Nach Unfall wartete Hombergerin über anderthalb Stunden auf Polizei

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Nicht nur der Schaden ist groß: Remsye Baydemir ist enttäuscht darüber, dass sie nach einem Wildunfall gegen 1.30 Uhr in der Nacht weit über eine Stunde auf die Polizei warten musste.

Homberg. In der Nacht auf einer einsamen Landstraße einen Wildunfall zu haben, das ist schon für viele Autofahrer eine schreckliche Vorstellung. Wenn dann noch  das Wildschwein tot auf der Fahrbahn liegt und das Auto nicht mehr fahrtüchtig ist, ist die Hoffnung auf schnelle Hilfe groß.

So ging es auch Remsye Baydemir. Der 27-Jährigen ist genau das kürzlich auf ihrer Fahrt von Melsungen nach Homberg nahe Lengemannsau passiert. Und: Sie musste über eine Stunde auf die Hilfe der Polizei warten.

Es ist die Mischung aus Ärger und dem Gefühl der Angst, dass sie in dieser Nacht spürte, was die Hombergerin noch immer umtreibt. „Der Polizist sagte mir am Telefon, dass gleich jemand komme“, sagt Baydemir.

Sie sei nach dem Anruf bei der Polizei ausgestiegen und habe die Unfallstelle gesichert - mit einem Warndreieck. „Das Tier lag ein paar Meter hinter meinem Auto, anfangs lebte es noch. Es zuckte“, sagt sie. Dabei klingt ihre Stimme aufgekratzt. Noch immer habe sie Schuldgefühle. „Das geht mir nah, denn ich habe noch nie ein Tier getötet.“ Ein paar Minuten später habe das Wildschwein leblos auf der Straße gelegen. „Es war ein großes Tier, mir war klar, wenn jetzt ein Auto oder Laster gefahren kommt, kann es zu einem schlimmeren Unfall kommen“, sagt die Hombergerin.

Daher habe sie sich ihre Taschenlampe geschnappt und sich damit gleich in die Nähe des Warndreiecks gestellt. Durch das Licht habe sie die herannahende Fahrzeuge vor der Gefahrenquelle warnen wollen. „Man muss doch in solch einer Situation auch an andere denken und nicht nur an sich“, sagt sie. „Da musste ich einfach stark sein.“ Drei Autofahrer hielten zwischenzeitlich an und fragten die junge Frau, ob sie ihr helfen könnten. Diese Angebote lehnte sie ab. „Weil ich fest mit der Polizei gerechnet habe.“ Und aus Angst. „Doch von der Polizei war weit und breit nichts zu sehen.“ Eine Stunde später rief sie erneut bei der Polizeistation in Homberg an. „Ich habe gefragt, wo sie bleiben und gesagt, dass ich nicht mehr kann. Mein Ton war da sicher nicht mehr freundlich“, sagt sie. Was daraufhin folgte habe sie sprachlos gemacht: „Der Polizist hat mich angebrüllt und gesagt, seine Kollegen seien jeden Moment da. Dabei habe ich nur meine Pflicht getan.“

Nach diesem Telefonat habe sie erneut gewartet - etwa eine halbe Stunde. In der Zwischenzeit sei der Mitarbeiter eines Abschleppunternehmens zur Unfallstelle gekommen, habe ihr geholfen, das Tier von der Straße zu schaffen. Als die Polizei eintraf, sei schließlich alles ganz schnell gegangen. Doch steht für Remsye Baydemir fest, dass sie bei einem erneuten Wildunfall nicht mehr bei der Polizei anrufen würde. „Ich habe kein Vertrauen mehr darauf, dass sie kommen, wenn ich Hilfe brauche.“

DAS SAGT DIE POLIZEI

Es sei bedauerlich, dass Remsye Baydemir nach ihrem Wildunfall mitten in der Nacht über anderthalb Stunden auf die Polizei warten musste, sagt Markus Brettschneider von der Polizeidirektion in Homberg. Es sei verständlich, dass die Hombergerin Angst gehabt habe. „Gerade wenn man wartet, wird die Zeit lang.“ Allerdings habe tatsächlich keine Bedrohung vorgelegen.

„Wir konnten aber nicht schneller dort sein“, sagt Brettschneider. Denn eine Streifenwagenbesatzung der Homberger Polizei sei bei einer Observation in Melsungen im Einsatz gewesen. „Sie waren dort gebunden, deshalb musste die junge Frau länger warten.“ Die Hombergerin habe alles richtig gemacht. „Sie hat den Unfall der Polizei mitgeteilt und den Wildunfall markiert“, sagt Brettschneider und betont, dass er sich über ein Gespräch mit Baydemir freuen würde. „Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass wir nicht so schnell wie möglich helfen wollten. Es ging nicht anders, es war eine Ausnahmesituation“

Er hat noch einen Tipp: Wer einen Wildunfall habe, sollte den umgehend melden. „Wenn man ein totes Tier am Straßenrand ablegt und die Unfallstelle in Absprache mit der Polizei verlässt, begeht man keine Fahrerflucht“, sagt Brettschneider.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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