Lesung bei Thalia

Bares für Rares: So erlebte Fabian Kahl in Kassel seine größte Niederlage

+
Bekannt aus „Bares für Rares“: Fabian Kahl liest in Kassel. Dann wird er ein bisschen anders aussehen. Die langen Haare sind Geschichte. 

Kunsthändler und "Bares für Rares"-Star Fabian Kahl kommt nach Kassel: Bei Thalia liest aus seinem Buch „Der Schatzsucher“. Im Interview spricht Kahl über Kassel und Kunst.

Herr Kahl, kommen Sie eigentlich gern nach Kassel?

Ich war einmal im Kasseler Schloss, kenne die Stadt sonst aber nicht. Ich fahre immer nur durch, wenn ich unterwegs nach Leipzig bin. Aber natürlich komme ich gern zu der Lesung, zumal Kassel eine kulturträchtige Stadt sein soll, die einiges zu bieten hat.

Also schauen Sie sich vor der Lesung die Stadt mal genauer an?

Ich fahre auf alle Fälle früh los, damit ich noch ein bisschen durch Kassel schlendern kann, weil ich bis jetzt wirklich nur das Schloss kenne. Wie heißt es noch gleich? Ludwigshöhe?

Fast: Wilhelmshöhe.

Genau. Da war ich vor vielen Jahren mal mit meinem Vater. In meiner Kindheit waren wir gefühlt in allen Schlössern und Burgen Deutschlands. So habe ich viel gelernt, weil ich viele Antiquitäten gesehen habe.

Also haben Sie auch einen Eindruck von Schloss Wilhelmshöhe – oder kommt man bei all den Schlössern und Burgen irgendwann durcheinander?

Auch wenn ich aus Wilhelmshöhe eben Ludwigshöhe gemacht habe: Ich kann mich noch genau an das Schloss erinnern. Ich weiß zum Beispiel, dass darin ein super schöner Schreibtisch von David Roentgen steht, der mich als Kind sehr fasziniert hat.

Die Frage, ob Sie gern nach Kassel kommen, hatte noch einen anderen Hintergrund: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie in der Nähe Kassels mal eine Ihrer größten Niederlagen erlitten hätten, weil Sie Gemälde gekauft haben, die sich nachher als Fälschungen herausstellten.

Das stimmt, aber das hatte ja weniger mit der Stadt als vielmehr mit meinem eigenen Versagen zu tun. Und das muss man sich als Händler dann auch eingestehen. Wichtig ist nur, dass man aus der Sache lernt.

Gehören diese Erfahrungen zum Leben eines Kunsthändlers dazu?

Ja, wobei es jedem selbst überlassen ist, welche Lehren er aus solchen Erfahrungen zieht. Ich zum Beispiel bin niemand, der dann zu dem Verkäufer geht und sagt, dass ich mich verkauft habe und ich das Geld zurückhaben möchte. Ich schlucke den Frosch und schaue, dass ich beim nächsten Mal achtsamer bin. Im Fall, der sich in der Nähe Kassels abgespielt hat, war es so, dass ich nicht gut ausgerüstet war. Ich hatte keine UV-Lampe und kein Taglicht dabei. Das habe ich im Nachhinein alles besorgt – und seitdem läuft es besser.

Sie bezeichnen sich als Schatzsucher. Entdecken Sie bei jeder Haushaltsauflösung einen Schatz?

Ich habe manchmal Touren, da habe ich das Auto voll, und ich sage: Wow, das hat jetzt aber lohnend. Dann gibt es aber auch Tage, an denen man nichts findet. Da haben dann die Gegenstände auf den Fotos, die mir im Vorfeld zugeschickt worden sind, besser ausgesehen als in der Realität. Oder es kann passieren, dass man mit den Verkäufern nicht zurechtkommt. Dann fährt man ohne etwas nach Hause.

Was ist denn die Faszination der Schatzsuche: das Finden oder das Abtauchen in eine fremde Welt?

Beides, wobei man heutzutage nicht mehr diese ganz urigen Haushalte hat wie früher. Früher bin ich mit meinem Vater viel auf Achse gewesen, da haben wir Villen leergeräumt, aus denen seit 200 oder 300 Jahren niemand mehr etwas herausgenommen hat. Das war natürlich geil, weil wir in eine ganz andere Welt abgetaucht sind – in die Welt der alten Zeit.

Und heute?

Heute ist es eher so, dass man auf die Jagd nach Einzelstücken geht, weil viele nur noch etwas Bestimmtes sammeln. Die urigen Haushalte gibt es kaum noch.

Heute ist viel mehr Ikea?

Ja, wobei ich das gar nicht schlimm finde, wenn man die Zeit der Moderne mit dem alten Charme verbindet.

Zumal Ikea-Möbel eher nicht als Antiquitäten durchgehen.

Das nicht. Antiquitäten sind ja laut Definition Stücke, die älter als 100 Jahre alt sind. Nichtsdestotrotz interessiere ich mich auch für Designartikel von bekannten Künstlern aus den 1960er- oder 70er-Jahren. Das ist auch ein Trend. Früher musste ein Kunstwerk schlicht gefallen und in die Wohnung passen. Heute geht es darum, dass ein namhafter Künstler am Werk gewesen ist, der irgendwo gelistet ist. In Zeiten des Internets versucht eben jeder, die Transparenz des Marktes zu nutzen. Kunstgegenstände, die nicht signiert sind, fallen dann eher durch.

Bei jüngeren Menschen ist – wie bei Ihnen auch – Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Heißt das, dass Antiquitäten wieder im Kommen sind?

Ich hoffe es. Und ich kenne auch ein paar junge Leute, die bei mir kaufen. Da gibt es Sammler zwischen 25 und 30 Jahren, die sagen, ich möchte die Dinge der alten Zeit haben, weil die schön und mit Liebe zum Detail gemacht sind. Diese Menschen sind in der Regel auch modern eingerichtet, aber auf ihren Möbeln stehen eben Antiquitäten. Das sieht spitze aus, hinzu kommt: Antiquitäten sind oft gar nicht so teuer. Sie sind auch etwas für Studenten. Wer mit offenen Augen über den Flohmarkt geht, kann sich günstig und qualitätsvoll einrichten. Mich freut es, dass ich auf Flohmärkten viele junge Leute sehe.

Können Sie denn überhaupt noch auf Flohmärkte gehen, ohne dass Sie nicht ständig nach Ihrer Einschätzung gefragt werden? 

Auf Flohmärkten ist das in der Tat schwer, unerkannt zu bleiben. In der Stadt ist das schon eher möglich. Aber wenn mir da jemand sein Handy hinhält und fragt, was der Gegenstand auf diesem oder jenem Foto wert ist, dann gebe ich gern Auskunft. Ich finde es ja schön, wenn sich viele für Antiquitäten interessieren und das Kulturgut nicht verloren geht. So funktioniert ja auch unser Beruf: Wir Kunsthändler sind Vermittler zwischen denen, die etwas nicht mehr haben wollen, und denen, die daran Gefallen haben.

Lesen Sie auch: "Bares für Rares": Verkäufer lehnt höchstes Gebot aller Zeiten ab - das ist der Grund

Wer ist Fabian Kahl?

Fabian Kahl ist 27 Jahre alt und lebt heute in Leipzig. Ursprünglich kommt er aus Thüringen. Seine Eltern sanierten dort Schloss Brandenstein im Saale-Orla-Kreis. Mit seinem Vater besuchte Kahl früher viele Flohmärkte. Auf einem dieser Märkte wurde Fabian Kahl auch vom ZDF für die Erfolgssendung „Bares für Rares“ entdeckt. Dort wirkt der Antiquitätenhändler seit der ersten Staffel 2013 mit. Im vergangenen Jahr erschien Kahls Buch „Der Schatzsucher“ im Verlag Eden Books. Es kostet 16,95 Euro.

Die Lesung im Thalia (Königsstraße) beginnt am 19. März um 20.15 Uhr. Eintritt: 10 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare