Schüler der Ballettschule Wilkinson tanzten für ihren verstorbenen Lehrer

Barry wäre stolz gewesen

Sonne Sturm und Regen: Die Wetterfee (Christa Pape) tanzte mit den jüngsten Ballettschülern.

Schwalm-Eder. „Ballett darf auch Spaß machen“, sagt Barry Wilkinson. Sein Gesicht lächelt von einer großen Leinwand im Kasseler Opernhaus, und fast ist es, als sei er tatsächlich da. Vor einem Jahr erlag der Fritzlarer Ballettmeister seinem Krebsleiden. Heute wollen sich seine Schüler bei ihm bedanken - sie widmen ihm eine Ballettrevue.

Schon allein die Organisation des Abends ist eine Meisterleistung. 380 Ballettschüler - die jüngsten sind gerade einmal im Kindergartenalter - stehen im Laufe der dreistündigen Revue auf der Bühne. Die meisten klassischen Choreografien stammen von Barry Wilkinson, ebenso wie die Kostümentwürfe. So ist der Ballettmeister, dem seine Schützlinge stets so sehr am Herzen lagen, bei jedem Auftritt präsent. Beim „Can Can“ von Jaques Offenbach ebenso wie beim „Rosenwalzer“ von Tschaikowsky und Szenen aus „Schwanensee“. Die setzen die Schülerinnen eindrucksvoll um. Professionell und hoch konzentriert tanzen weiße, schwarze und kleine Schwäne. Immer wieder hallen Bravo-Rufe durch das ausverkaufte Opernhaus.

Emotional wird es nach der Pause. Denn dann stehen acht Frauen auf der Bühne, die vor 20 Jahren Tanzunterricht bei Barry Wilkinson hatten. Aus ganz Deutschland sind sie nach Kassel gekommen, um ihren Lehrer zu ehren. Noch einmal tanzen sie zu den Klängen von „New York, New York“, nach der Choreografie von Barry Wilkinson. Verlernt haben sie im Laufe der Jahre nichts.

Moderner Tanz

Die zweite Halbzeit des Tanzabends gehört ganz dem modernen Tanz, der inzwischen auch eine wichtige Rolle in den sechs Wilkinson-Tanzschulen spielt. Die Choreografien der Tanzlehrer Brigitte Gautschi-Ghirardelli und Pete Ezedunor (Tanzstudio Body & Soul) sind kraftvoll und temporeich. Schnelle Bewegungen zu harten Bassrhythmen - in nahezu perfekter Synchronität.

Grandioses Finale der Revue bildet eine zeitgenössische Interpretation von Igor Strawinskys „Sacre du Printemps“ (Choreografie: Susan White). Bisweilen agieren über 40 Tänzerinnen auf der Bühne. Sie wiederholen immer wieder die gleichen Bewegungen, scheinen fast in Trance - bis ein weiser, alter Mann (Pete Ezedunor) ein Frühlingsopfer unter den Mädchen auswählt. Ein faszinierender Auftritt und eine Glanzleistung der Tanzschülerinnen.

Angela Wilkinson, die die Ballettschulen nach dem Tod ihres Mannes weiterführt, hatte angekündigt, die Tanzrevue werde kein wehmütiger Abend. Ein sehr emotionaler war es dennoch für Tänzer und Publikum. Barry Wilkinson wäre stolz auf seine Schüler gewesen.

Quelle: HNA

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