Ludger K. aus Duisburg ist Doppelsieger der Melsunger Kabarett-Tage 2010

Barte für den Sonnyboy

Die Sieger des Melsunger Kabarett-Wettbewerbs 2010: von links Ludger K. (1. Platz und Publikumspreis Scharfe Barte), 3. Platz Nils Heinrich, 2. Platz Lorenz Böhme. Foto: Schwarz

Melsungen. Der Duisburger Comedian Ludger K. hat den 16. Melsunger Kabarett-Wettbewerb gewonnen. Beim Finale am Samstag in der Kulturfabrik holte er sich den mit 2500 Euro dotierten 1. Preis der Jury und mit weitem Abstand den Publikumspreis „Scharfe Barte“, für den alle Abonnenten der Veranstaltungsreihe abstimmen konnten. Vor vollem Haus zeigten alle Preisträger nochmals kurze Ausschnitte aus ihren Programmen.

Seinen vollen Namen mag Ludger K., der selbst ernannte „Berufsjugendliche im Ruhestand“, nicht verraten. Vielleicht ist das sicherer für ihn angesichts der punktgenau platzierten Gemeinheiten, die er mit schelmisch-harmlosem Schwiegersohngrinsen in alle Richtungen austeilt: Der Papst, der Feminismus, Kachelmann, der Islam, die Linkspartei - alle bekommen von dem mittelgescheitelten Schlagersängertypen so nonchalant eins auf die Mütze, dass niemand im Publikum lange nach der politischen Korrektheit fragt.

Ludger K. ist ein Typ, eine Bühnenpersönlichkeit, die das verbreitete kulturelle Unbehagen auf knappe Nenner zu bringen versteht. Ganz ohne kabarettistische Rollenverrenkungen reicht ihm persönliche Empirie für seine Späße völlig aus – etwa das mediale Weltbild seines Vaters, wonach sich der ganze neumodische Kram wie Handys, Internet, Musikvideos mit der verächtlichen Definition „Das ist alles RTL“ zusammenfassen lasse. Oder wenn Mama im Einkaufszentrum mal mondänerweise „Zwei Lotto Mangiare“ statt Latte macchiato bestellt. Auch seine eigene Generation – die mit dem „NRW-Abitur“ – lässt der sympathisch-fiese Sonnyboy nicht ungeschoren: „Wir konnten zwar stundenlang über Nicaragua diskutieren, aber wo genau in Afrika das nun liegt…“ Tja, Glück gehabt, dass der Pisa-Test in den Achtzigern noch kein Thema war.

Der zweite Sieger, Lorenz Böhme, punktete mit skurrillem, musikalisch untermaltem Wortwitz. Sein lyrischer Ehrgeiz, möglichst viele italienische Nudelsorten in einem einzigen Text unterzubringen, hatte die amüsante Absicht, dass das Publikum dem kreativen Spaßmacher „farfalle“ und möglichst keinen der Gags ver-„penne“.

Böhmes hechelnd vorgetragenes Klavierwerk „Der Jogger mit dem Damatiner“ zeigte durchaus Eignung, ein Neutöner-Musikfestival humoristisch aufzumischen. Und auch boshaft-augenzwinkernde Familienplanungshilfe leistete der Mann aus Würselen: Jetzt gebe es eine ganz neue Pille für den Mann. „Mann nimmt sie danach. Sie verändert die Blutgruppe…“

Nils Henrich schließlich warf als Neu-Schwabe und gelernter Ossi einige todkomische Schlaglichter auf 20 Jahre deutsche Einheit und erinnerte sich: „Südfrüchte – das waren für uns früher Kartoffeln aus Thüringen.“

Vielen Zuschauern sprach er aus der Seele mit seinen satirisch ausgemalten Erinnerungen an die Vor-Handy-Zeit, als man noch zwecks Privatsphäre sorgsam die Telefonzellentür hinter sich zuzog, statt skrupellos alle Umstehenden zuzutexten. „Die Abgründe des Nils“, so der Programmtitel, waren am Ende für den 3. Preis der Melsunger Kabarett-Tage gut. (asz)

Quelle: HNA

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