Kommunen bei Flächenausgleich nur Mittelmaß

Bauboom im Kreis Kassel schwächt Natur

Schottische Hochlandrinder fühlen sich im Glockenborn zuhause: Das Naturschutzgebiet hat in den vergangenen Jahren hinsichtlich seiner ökologischen Bedeutung gewonnen. Außerhalb seiner Grenzen wurde das Feuchtbiotop als Ausgleich für den Windpark am Rödeser Berg erweitert.
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Schottische Hochlandrinder fühlen sich im Glockenborn zuhause: Das Naturschutzgebiet hat in den vergangenen Jahren hinsichtlich seiner ökologischen Bedeutung gewonnen. Außerhalb seiner Grenzen wurde das Feuchtbiotop als Ausgleich für den Windpark am Rödeser Berg erweitert.

Beim Ausgleich von Flächen, die durch Bauvorhaben der Städte und Gemeinden der Natur verloren gehen, steht der Landkreis Kassel nicht gerade rosig da.

Im bundesweiten Vergleich bewegt er sich im Mittelfeld. Oftmals setzten die Kommunen ihre eigenen Verpflichtungen zum Ausgleich nicht um, sagt Rüdiger Germeroth, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Kassel.

Da es sich bei der Schaffung eines wertigen Ersatzes für die an anderer Stelle verbrauchten Flächen um eine Selbstverpflichtung der Kommunen handelt, sei eine Kontrolle schwierig. Der Hessische Städte- und Gemeindebund hatte die Naturschutzbehörde zurückgepfiffen, als sie aktiv werden wollte. Dennoch sollten die Kommunen das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn wer es unterlasse, in der Natur einen Ausgleich vorzunehmen, verstoße gegen sein eigenes Recht – und dagegen könnte geklagt werden, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. Dies sei bislang aber noch nicht vorgekommen.

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb die Kommunen nur etwa die Hälfte aller angekündigten Vorhaben umgesetzt haben: Vielen Verwaltungen fehle es an Personal – und zwar sowohl zahlenmäßig, als auch hinsichtlich des erforderlichen Spezialwissens, sagt Germeroth. Einigen Kommunen, etwa Habichtswald und anderen im Speckgürtel Kassels, fehle es an Flächen. Diese hätten oft nur die Möglichkeit, ihren Flächenausgleich in anderen Kommunen vorzunehmen, in dem sie dort Ökopunkte kauften. Auf diesem Weg sei es Vellmar gelungen, die in Baugebieten verbrauchten Flächen zu kompensieren. Die Stadt kaufte sich in ein Projekt am Isthaberg ein, wo Hessen Forst Flächen aus der Bewirtschaftung genommen hatte und wo sich nun ein Naturwald entwickelt.

Probleme hat auch Trendelburg. Bauprojekte dort tangieren die hochsensiblen Diemelauen. Die Stadt hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie verzichtet aufs Bauen. Oder sie baut doch, dann muss sie für den Flächenverlust im Überschwemmungsgebiet einen hohen und damit teuren Ausgleich zahlen.

Motocross-Fahrer vergnügen sich im Naturschutzgebiet Festberg im Landkreis Kassel und zerstören kostbare Orchideen. Die Polizei sucht Zeugen.

Quelle: HNA

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