Bauernmolkerei: 44 Mitarbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz

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Blauer Himmel, ungewisse Zukunft: Unser Foto zeigt einen kleinen Teil der Produktionsanlagen am Neukirchener Elsbeetweg. 60 Mio. Liter Milch könnten am Standort verarbeitet werden.

Neukirchen. Bange Wochen erleben die Mitarbeiter der Bauernmolkerei Neukirchen. Seit dem 25. März befindet sich der Traditionsbetrieb in vorläufiger Insolvenz, für alle 44 Mitarbeiter geht es um den Arbeitsplatz.

Die laufenden Verhandlungen seien selbstverständlich vertraulich, unterstrich gestern der vorläufige Insolvenzverwalter Reinhard Bohlig (Korbach).

Er gebe keine Prognose ab. Der Jurist lobte zugleich die hochmotivierte Mitarbeiterschaft, „ein nicht zu unterschätzendes Kapital“. Es wäre für ein Unternehmen nicht einfach, so qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Dabei schwingt ein großes Aber unausgesprochen mit, die Uhr tickt, und schließlich hat sich der Betrieb des Käsewerks in Neukirchen seit der Übernahme 2011 durch die Upländer Bauernmolkerei so schlecht entwickelt, dass die Gesellschafter nun die Reißleine gezogen haben. Laut Geschäftsführerin Karin Artzt-Steinbrink blieb die Entwicklung am Standort klar hinter den Erwartungen der Genossenschaft zurück.

Artzt-Steinbrink betonte dabei, dass nicht das Abspringen eines einzelnen Großkunden ausschlaggebend gewesen sei, zu Namen werde sie sich auch nicht äußern. Vielmehr sei konventionell erzeugter Käse auf dem Markt zu günstig. Der Betrieb laufe normal, die Verhandlungen dauerten an, befänden sich jedoch in der Schwebe.

Die dürfte, so oder so, bald überwunden sein, denn viel Zeit bleibt nicht, erklärte Reinhard Bohlig.Er deutete an, dass die Verhandlungsfrist Ende April abläuft und dass wegen der ausgedehnten Produktionsanlagen allein ein größerer Interessent infrage komme. Dabei, so Bohlig, „wartet der Markt nicht auf neue Anbieter“. Trotzdem werde mit Herzblut und viel Engagement gekämpft.

Den falschen Discounter hatte unterdessen die Kreistagsfraktion der Linken geprügelt. Per Pressemitteilung hatte Linken-Sprecher Jochen Böhme-Gingold einen großen Discounter heftig als Verursacher der Probleme angegriffen. Recherchen unserer Zeitung haben jedoch ergeben, dass Penny Verträge mit der Neukirchener Käserei quittiert hat. Ein Unternehmenssprecher teilte auf HNA-Anfrage mit: „Richtig ist, dass Penny aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Produktionsstandards das Geschäftsverhältnis beendet hat.“

Der Betriebsrat der Käserei möchte gegenüber unserer Zeitung gegenwärtig keine Stellungnahme abgeben.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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