Nistkasten als neues Heim für Greifvögel – Sanierung hätte Tiere fast vertrieben

Baustopp wegen Falken

Ein Heim für einen Turmfalken: Rosi Mende, Pia Nittke, Dr. Wulf Rheinwald (von links) bringen einen Nistkasten am Oikos Sozialzentrum in der Wierastraße in Treysa an. Foto: Haaß

Treysa. Um ein Haar hätten die Renovierungsarbeiten am Oikos Sozialzentrum an der Wierastraße den Nistplatz eines Turmfalkenpärchens zerstört. Dank einer aufmerksamen Bewohnerin konnten die Greifvögel und ihre Brut gerettet werden. Künftig bietet ein Nistkasten an der Stelle des alten Nistplatzes eine Brutmöglichkeit.

Bis Ende Juni ahnte niemand im Haus in der Wierastraße etwas von den gefiederten Mitbewohnern unter dem Dach des alten Gebäudes. Und wäre Bewohnerin Pia Nittke nicht so aufmerksam gewesen, hätten Bauarbeiten das Turmfalkenpärchen wohl vertrieben. „Nachdem ich die Vögel eine Weile beobachtet hatte, habe ich in meinem Tierbuch nachgeschaut, um herauszufinden, um welche Arte es sich handelt. Dann habe ich Rosi Mende Bescheid gesagt“, erzählt die junge Frau.

Nest an der Giebelseite

Rosi Mende, die Leiterin der Einrichtung, war überrascht, als sie von den Vögeln erfuhr. Umgehend informierte die Oikos-Mitarbeiterin ihre Vorgesetzten, der Dr. Wulf Rheinwald vom Nabu-Schwalmstadt zu Rate zogen.

Vor Ort zählte der Ornithologe schließlich ein Turmfalken Elternpaar mit fünf Küken. Die Greifvögel hatten an der Giebelseite ein Nest gebaut und flogen durch das Dachfenster ein- und aus. Für den Fachmann war sofort klar, dass die Bauarbeiten bis zum Ausflug der Brut der Turmfalken umgehend gestoppt werden mussten. „Gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, währen der Brutzeit zu bauen“, erklärt Rheinwald.

Oikos und die Baufirmen zeigten sich flexibel. Um die Turmfalken in ihrer Brutpflege nicht zu stören, wurde die Giebelseite nicht eingerüstet. Die energetische Sanierung beschränkte sich zunächst auf die restlichen drei Hausseiten. „Das hat die Baumaßnahmen knapp drei Wochen verzögert“, sagt Rosi Mende.

Mittlerweile haben die schnellen Greife das Nest verlassen und die Bauarbeiten gehen ihrem Ende zu. Gewissermaßen als Krönung wird in Kürze der neue Nistkasten direkt unter dem Giebel des Hauses befestigt. „Der Nistkasten wurde im Martha-Mertz-Haus gefertigt, die Kosten dafür trägt die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz“, sagte Rheinwald.

Pia Nittke hofft nun, dass die Turmfalken den Nistkasten annehmen und sie die Tiere im kommenden Jahr bei der Brutpflege wieder beobachten kann.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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