Ehemaliger Treysaer Offizier dreht Film über Afghanistan – Heute Vorführung

Ein Tee bedeutet Frieden

Das Drehteam: Hans-Ulrich Schimmelpfennig (rechts) mit seinem Kameramann Henning Papstein und Assistent Andreas Grodzig. Fotos: privat

Treysa. Hans-Ulrich Schimmelpfennig hat ein Bild von Afghanistan, das wenig mit Medienklischees wie Taliban, Burka und Anschläge zu tun hat. Gastfreundschaft ist das erste, was ihm über das kriegszerrüttete Land einfällt. Der Oberstleutnant a. D., der 20 Jahre in Treysa lebte und in verschiedenen Funktionen in der ehemaligen Harthberg-Kaserne eingesetzt war, drehte jetzt einen Film über Afghanistan, der auch im ZDF ausgestrahlt werden soll. Heute, 19.30 Uhr, zeigt er ihn im Ziegenhainer Hof Weidelbach.

Von Mai bis Juni war Schimmelpfennig, der nach seiner Zeit in Treysa in den Pressestab der Bundeswehr wechselte, in der Provinz Badakhshan unterwegs. Der 66-Jährige realisierte dort im Auftrag des Verteidigungsministeriums bereits seinen zweiten Film, der demnächst auch im ZDF laufen soll.

Hilfsprojekte begleitet

Diesmal spürte Schimmelpfennig, der auf Einladung des Traditionsverbandes Schwälmer Artillerie in seine alte Heimat kommt, Hilfsprojekten nach, die durch die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit begleitet werden.

„Es wird in den Medien zu wenig darüber berichtet, was dort unten getan wird und was die Menschen dringend benötigen“, beschreibt Schimmelpfennig die Intention für seine Arbeit. Für seine Dreharbeiten war er stundenlang auf staubigen Pisten unterwegs.

Er lernte viele Afghanen kennen und staunte einmal mehr darüber, dass diese Menschen unter widrigen Lebensbedingungen ihre Gastfreundschaft nicht verlieren: „Wenn dir dort jemand einen Tee anbietet, dann weißt du, dass du auf dem sichersten Platz der Welt bist. Niemand würde die Gastfreundschaft verletzen.“

Langwierige Arbeit

Bei seinen Recherchen musste Schimmelpfennig erfahren, wie langwierig es ist, Hilfsprojekte im Hinterland zu organisieren. „Die Afghanen wollen nichts geschenkt haben – sie wollen den Wiederaufbau selbst stemmen.“ Weil jede Dorfgemeinschaft eingebunden werden müsse, dauere es lange, bis neue Straßen, Wasserkanäle oder Schulen gebaut seien.

Erschreckend waren für ihn die Bilder aus einem Gefängnis in Faizabad: Dort sah er Männer, die mit ihren Kindern eingesperrt waren, weil diese niemanden hatten, der sich hätte kümmern können.

Schimmelpfennig, der inzwischen in Frankfurt wohnt, möchte bald wieder nach Afghanistan fahren. Dann will er afghanische Frauen porträtieren, die sich auf unterschiedliche Weise für ihr Land engagieren. Der Einsatz lohne sich: „Die Menschen dort sehnen sich nach nichts mehr, als nach Frieden.“

Film, Vortrag und Gespräch: Heute, 19.30 Uhr, in der Gaststätte Hof Weidelbach

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare