Leipziger Streichquartett wurde den hohen Erwartungen gerecht

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Das Leipziger Streichquartett beim Kultursommer in der Zierenberger Stadtkirche: Stefan Arzberger (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Matthias Moosdorf (Violoncello) und Ivo Bauer (Viola).

Zierenberg. Hohe Erwartungen hatte das Publikum in der voll besetzten Zierenberger Stadtkirche am Sonntag. Mit dem Leipziger Streichquartett hatte der Kultursommer Nordhessen schließlich ein Ensemble von Weltruf in die Region geholt.

Auf dem Programm standen drei Streichquartette Ludwig van Beethovens, die drei unterschiedlichen Schaffensperioden zugeordnet werden.

Stefan Arzberger (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Matthias Moosdorf (Violoncello) und Ivo Bauer (Viola) stellten mit ihrer Wiedergabe aber nicht die kompositorischen und formalen Unterschiede der Werke heraus, sondern machten vor allem hörbar, was ihnen gemein ist – das Neue, Experimentelle, die beethovensche Zerrissenheit, die sich in starken Kontrasten niederschlägt.

Schon im ersten Satz des Opus 18 Nr. 3, vermutlich dem ersten Quartett Beethovens, machten die Leipziger deutlich, dass sie die Musik bis an die Grenzen ihres dynamischen Potenzials ausloten und auskosten. Dabei bekamen die Zuhörer auch sofort einen Eindruck von der Virtuosität der Musiker: auch im rasanten Tempo blieben die Triolen und Achtel brillant, die Wechsel zwischen den Stimmen klanglich und rhythmisch aus einem Guss. Dem zweiten Satz verlieh das Ensemble klanglich eine orchestrale Dichte, Stefan Arzbergers Violine strahlte auch in den extremen Höhen angenehme Klarheit aus. Im Finale herrschten dann Temperament und Freude am Risiko: mit rasantem Tempo, extremen dynamischen Kontrasten auf engstem Raum und markanten Akzenten gingen die Musiker keine Kompromisse ein.

Im Opus 95, als „Quartetto serioso“ – also ernstes Quartett – überschrieben, deutete das Leipziger Streichquartett den Ernst durch sein kontrastierendes Spiel vor allem als Zerrissenheit und Verzweiflung denn als Traurigkeit und Pessimismus. Immer wieder ließen die Musiker die versöhnlichen Klänge, die für kurze Zeit etwa im zweiten Satz und im Finale durchscheinen, ausgiebig wirken.

Im Opus 132, einem der späten Quartette Beethovens, fiel gegenüber dem davor Gehörtem die große innere Ruhe des zweiten Satzes auf. Im Unisono ließen die Musiker sich und den Zuhörern viel Zeit, den Nuancen der Klangfärbungen nachzuspüren. Zum Schluss des Konzertes wollte der Applaus, in den sich immer mehr Bravo-Rufe mischten, nicht enden. (zlö)

Quelle: HNA

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