Tiere bringen Ruhe mit sich 

Besonderer Begleiter in Homberger Schule: Hund Jori hilft beim Lernen

Ständiger Begleiter während des Schulalltags: Hund Jori unterstützt (von links) Violetta, Alma, Furqan, Jason und Julius in der Hermann-Schafft-Schule in Homberg beim Lernen.
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Ständiger Begleiter während des Schulalltags: Hund Jori unterstützt (von links) Violetta, Alma, Furqan, Jason und Julius in der Hermann-Schafft-Schule in Homberg beim Lernen. 

Homberg. Die Kinder an der Homberger Hermann-Schafft-Schule haben im Unterricht einen besonderen Begleiter: Schulhund Jori, ein kleiner Australian Shepherd.

Ein ungewöhnliches Bild bietet sich im Klassenraum in der Hermann-Schafft-Schule in Homberg. Ein kleines Mädchen liegt flach auf dem Boden, ihr Mitschüler Furqan verteilt braune Leckerlis aus einer Bauchtasche vorsichtig auf ihren Schultern und Beinen.

Dann flitzt plötzlich ein schwarz-brauner Hund um die Ecke und schnappt sich die Leckerlis vom Körper des Mädchens, das dabei leise kichert.

Jori, so heißt der Australian Shepherd, ist nicht nur für einen kurzen Besuch in der Schule, sondern läuft fünf Tage in der Woche durch die Klassenräume oder auf dem Schulhof herum.

Er ist ein sogenannter Schulhund, der den Kindern beim Lernen hilft und zu einer gute Atmosphäre im Klassenraum beiträgt. „Die Kinder lieben es, mit Jori zu kuscheln. Wenn er sich auf ihre Füße legt, beruhigt sie das extrem“, erklärt Lehrerin Lena Poetter.

Mit einer Besonderheit muss der kleine Hund in der Hermann-Schafft-Schule umgehen: Alle Kinder in der Klasse von Lena Poetter sind gehörlos und verständigen sich nur mit der Gebärdensprache. „Jori versteht die meisten Sichtzeichen, die die Kinder machen. Das sind dann Befehle wie Sitz, Platz oder Bleib.“

Durch den Schulhund erlernen die Kinder auch bestimmte Regeln in ihrem sozialen Verhalten. Lehrerin Lena Poetter projiziert dabei Situationen in der Klasse auf Jori. „Wenn es mir zu unruhig wird, mache ich den Kindern klar: Jori fühlt sich nicht wohl.“

Seit zwei Jahren ist Lena Poetter die Besitzerin des kleinen Australian Shepherd. Ende 2017 wurde er zum ersten Mal in der Hermann-Schafft-Schule eingesetzt. Zuvor musste die Pädagogin mit Jori eine Teamausbildung zum Schulhund absolvieren. „Die Schule war eine komplett neue Situation für Jori.“ 

Deswegen musste der Australian Shepherd erst lernen, mit den Kinder umzugehen, erklärt Poetter. Jori ist nicht nur während des Unterrichts und den Pausen bei den Kindern. Auch bei Ausflügen, Klassenfahrten und Schulübernachtungen begleitet der Hund die Schüler. „Seine Hauptaufgabe ist es, präsent zu sein. Das hilft den Kindern konzentriert und diszipliniert zu arbeiten“, sagt die Lehrerin. Kleine Spiele, die die Schüler Jori beibringen, sind eine schöne Abwechslung für den Hund. 

Jori wird zum Filmstar

In einem selbstgedrehten Film zeigen die Schüler der achten und neunten Klasse, wie Jori in den Schulalltag eingebunden wird. Szenen im Morgenkreis, auf dem Schulhof während der Pause und im Unterricht stehen auf der Liste. Die Schule bewirbt sich mit dem Film beim Mediasurfer, einem Preis, der von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien vergeben wird. Die Großen leiten die Klasse von Lena Poetter an, was sie zu tun und wo sie sich zu positionieren haben. 

„Die Kleinen lassen sich toll auf die Älteren ein“, sagt Poetter. Sie übersetzt die Gebärdensprache von Schüler Wladimir Stein: „Wir mussten den Kindern oft kleinschrittig die Anweisungen erklären. Aber das ganze Projekt war super spannend.“ Am Ende soll ein dreiminütiger Film entstehen.

Die wichtigsten Fragen rund um den Einsatz von Tieren in Kitas und Schulen

Warum sind gerade Tiere in Schulen und Kitas geeignet? 

Bei Hunden, Katzen oder Pferden läuft alles über Emotionen ab. Für sie spielt es keine Rolle, welchen gesellschaftlichen Stand oder Handicap ein Mensch mit sich bringt. Hinzu kommt, dass Tiere grundsätzlich keinen Erwartungsdruck haben. „Einem Hund ist es egal, ob ein Ball fünf oder nur einen Meter weit fliegt“, sagt Katrin Hott, Diplom-Pädagogin und Erzieherin. Egal, über welche Fähigkeiten die Kinder und Jugendliche verfügen, jeder könne sich aktiv einbringen. 

Inwiefern profitieren Kinder und Jugendliche von der Anwesenheit eines Tieres? 

„In der Kita oder Schule lernen sie den sicheren Umgang mit den Tieren und sind so für den Alltag gerüstet“, erklärt Erzieherin und Pädagogin Katrin Hott. Verbunden wird die Anwesenheit der Tiere mit der geistigen Förderung. Durch kleine Spiele lernen die Kinder beispielsweise Rechenaufgaben zu lösen. Als Belohnung geben sie dem Tier ein Leckerli. Der Aufforderungscharakter sei ein Anderer und mögliche Defizite geraten in den Hintergrund, erklärt Hott. Die Kinder wissen, dass sie dem Hund etwas Gutes tun. Die Freude des Hundes überträgt sich dann auf die Kinder. Nebenbei lernen sie auch Kontrolle auszuüben, wenn sie den Hund an der Leine führen und Regeln vorgeben.

Wie genau hilft das Tier im Unterricht und Kitaalltag? 

Tiere bringen Ruhe mit sich, die sich auf den Menschen überträgt. „Das ist eine biologische Veranlagung“, sagt Katrin Hott. Gleichzeitig verringern sich der Stress und die Anspannung. Zudem können Tiere die Beziehung zu Lehrern oder Erziehern verbessern. Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich zu öffnen, verhalten sich dann oft deutlich aufgeschlossener, erklärt Dr. Johannes Ehrenthal, Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Uni in Kassel.

Gibt es spezielle Tiere, die eingesetzt werden? 

Die Tierart selbst spielt keine besonders große Rolle. „Zutrauliche Tiere, die Menschen gegenüber relativ freundlich gestimmt sind, werden oft eingesetzt,“ erklärt Ehrenthal. Das seien dann Mäuse, Kaninchen, Esel oder Pferde. Aber auch eine Ameise oder ein Huhn kann in speziellen Fällen helfen. Katrin Hott hat die Erfahrung gemacht, dass besonders Hunde viele Möglichkeiten bieten. „Sie sind enge Sozialpartner des Menschen und können leicht in den Alltag integriert werden.“

Ist eine besondere Ausbildung für den Einsatz von Tieren in Schulen und Kitas notwendig? 

Verpflichtend ist es für Lehrer und Erzieher nicht, eine Ausbildung zu absolvieren. Doch es sei ratsam, sich in diesem Feld weiterzubilden, findet Elke Wecke, die mit ihrem Hund „Bombur“ in der Homberger Kita Phantasien tiergestützte Interventionen durchführt. Sie absolviert gerade eine Schulbegleithund-Ausbildung, wo neben praktischen Übungen auch theoretische Inhalte, im Mittelpunkt stehen. „Ich lerne dort mein Tier zu lesen und Stresssignale zu deuten“, erklärt Wecke.

Worauf muss man in der Therapie achten? 

„Es ist besonders wichtig, dass die Tiere nicht überfordert sind“, sagt Erzieherin Elke Wecke. Beide Parteien sollten achtsam miteinander umgehen und einen Mehrwert haben.

 

Quelle: HNA

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