Ehrenstadtverordneter Bernhard Tigges hört nach 40 Jahren in der Politik auf

Beim Bier war’s wieder gut

Zupackend: Bernhard Tigges zieht sich nach 40 Jahren aus der Kommunalpolitik zurück. Der 74-Jährige arbeitete als Sägewerksmeister, sein Großvater hatte einen Holzhandel und die Arbeit mit Holz ist eine seiner Vorlieben. Foto: Brückmann

Spangenberg. Eines war Bernhard Tigges in 40 Jahren Kommunalpolitik immer wichtig: Auch wenn die Wogen im Parlament oder im Ausschuss noch so hoch geschlagen waren – hinterher, beim Bier – wollte er allen Mitstreitern, auch denen aus dem anderen Lager, wieder in die Augen schauen. „Ich war nie einer, der draufhauen konnte, das war nie meine Mentalität.“

Sonst hält es der 74-Jährige mit Winston Churchill: „Für mich ist Demokratie eine schlechte Staatsform, aber es gibt keine bessere.“ 40 Jahre hat der Christdemokrat die Demokratie getragen, in seiner Wahl-Heimatstadt Spangenberg sogar wesentlich mitgeprägt: Als Fraktionsvorsitzender, „das war die schönste Zeit“, als Mitglied des Ortsbeirates Elbersdorf, wo er mit seiner Ehefrau Hannelore lebt, in vielen Ausschüssen, in denen die mühsame Kleinarbeit hinter den Kulissen geleistet wird, in Verbandsversammlungen und Kommissionen.

Mit Beginn der neuen Legislaturperiode nach der Kommunalwahl gibt es in der Spangenberger Stadtpolitik nur noch einen Tigges: seinen Sohn Peter, der ist Bürgermeister. Der Ehrenstadtverordnete Bernhard Tigges hat ab dem 31. März kein Mandat mehr.

„Eigentlich hätte ich schon Schluss machen sollen in der letzten Periode, denn gebraucht hat er mich nicht mehr“, sagt der Vater mit Blick auf den Sohn, der damals gerade ins Rathaus eingezogen war.

Doch seine Partei, die CDU, wollte ihn noch. „Für uns bist Du der berühmte Fels in der unberechenbaren Brandung“, sagte sein Nachfolger als Fraktionsvorsitzender, Jochen Ellrich, zum Abschied. „Du hast dieser Stadt gut getan.“

Dabei war es Zufall, dass er bei der Suche nach einer neuen Stelle als Sägewerksmeister am Himmelfahrtstag 1963 nicht in Morschen, sondern in Spangenberg gelandet war. Ein Freund hatte Hannelore und Bernhard Tigges chauffiert.

Heute ist der 74-Jährige selbst der Fahrer, für seine Enkel nämlich. „Opa-Taxi“, der Garten, seine Jobs als „Hausmeister“ für den viel beschäftigten Sohn und beim VdK werden künftig seine Freizeit ausfüllen. „Langeweile habe ich nicht.“

Vorsitzender für eine Nacht

Das war auch die vergangenen 40 Jahre so, denn oft gingen die Sitzungen bis spät in die Nacht. Eine davon ist ihm besonders in Erinnerung: Als ein neuer Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden war – und der „hat dann vom Leder gezogen, was er alles nicht dulden würde“. Anschließend, in der Kneipe, hätten alle erbost auf den SPD-Mann eingeredet. Am nächsten Morgen legte der „Stadtverordnetenvorsteher für eine Nacht“ sein Amt nieder. „Das war eine wilde Zeit“, erinnert sich Bernhard Tigges.

Auch als Hartmann Aßmann zum Bürgermeister gewählt worden war, „und die sind mit Fahnen im Konvoi durch die Stadt gefahren und der Pfarrer hat ihn eingesegnet.“

Von Andrea Brückmann

Quelle: HNA

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