Beim HNA-Lesertreff ging es auch um Wirtschaftsförderung und Leerstand

HNA-Lesertreff zur Bürgermeisterwahl: „Das muss Chefsache sein“

Voller Bürgersaal: Großes Interesse hatten die Felsberger an dem Zusammentreffen von Volker Steinmetz und Stefan Rother beim HNA-Lesertreff. Fotos: Peter Zerhau

Felsberg. Geld ist keines da, aber trotzdem soll es in Felsberg voran gehen. Die 500 Besucher des HNA-Lesertreffs zur Bürgermeisterwahl am Montagabend im Felsberger Bürgersaal wollten von den Kandidaten Volker Steinmetz und Stefan Rother wissen, wie sie dem Leerstand entgegenwirken wollen. Und:

Welche Ideen sie zur Gewerbeansiedlung haben und wie der Tourismus gefördert werden kann. Außerdem: Ob es eine Ortsumgehung geben wird (siehe ganz unten).

Stefan Rother betonte, dass es wichtig sei, Anreize für junge Familien in der Stadt zu schaffen, um dem Leerstand entgegenzuwirken. Konkret schlug er Programme wie Jung kauft Alt, einen Grundsteuernachlass oder Finanzierungshilfen vor. „Man motiviert Familien auch, indem man einen Ort attraktiv hält, zum Beispiel durch das Freibad“, sagte Rother.

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Auf Marketing setzte Volker Steinmetz, denn man habe ein gutes kulturelles und soziales Netz in der Stadt. Leerstand habe auch etwas mit dem Image einer Stadt zu tun. Die Quartiere müssten weiter entwickelt werden. Bereits vor zwei Jahren habe er einen Vorschlag dazu gemacht, der aber wegen weniger tausend Euro gescheitert sei.

Einig waren sich die beiden Kandidaten, dass die Wirtschaftsförderung in Felsberg Chefsache sein muss. Steinmetz sagte, in dieser Hinsicht sei schon einiges passiert. DHL wolle sich ansiedeln, und mit weiteren Firmen sei er im Gespräch.

Die Unternehmen direkt ansprechen und sie nach ihren Bedürfnissen fragen, das war Rothers Vorschlag für mehr Gewerbeansiedlung. Er hob auch die gute Verkehrsanbindung Felsbergs hervor.

Nach kurzfristigen Konsolidierungsvorschlägen für den maroden Haushalt fragte Lesertreff-Besucher Heinz Veit Kandidat Stefan Rother.

Man dürfe die Hände nicht in den Schoß legen, denn offenbar reiche das bestehende Konsolidierungskonzept nicht, sagte Rother. Auf Nachfrage von Moderator Heinz Rohde wurde Rother konkreter. Auch über die Dorfgemeinschaftshäuser in den einzelnen Stadtteilen müsse man nachdenken, denn nicht immer seien die voll ausgelastet.

„Da scheue ich mich auch nicht davor, das mit den Genossen zu diskutieren“, sagte Rother. Auf den Hinweis von Moderatorin Judith Féaux de Lacroix, dass diskutieren wohl nicht reiche, da die SPD eine Schließung der DGH ablehne, sagte Rother: „Ich glaube, da ist eine Bereitschaft da.“

Da man Kanal und Straßen nun mal nicht verkaufen könne, aber beispielsweise Kindergärten und das Freibad erhalten wolle, „müssen wir an den Gebäudebestand ran“, sagte auch Amtsinhaber Volker Steinmetz.

Von Barbara Kamisli

Geld für Ortsumgehung fehlt

Seit gefühlten 80 Jahren beschäftigt die Ortsumgehung die Felsberger schon, sagte Besucher Klaus Pfaff. Tatsächlich geht es in der Stadt seit knapp 40 Jahren um das Thema, und so kam es auch beim Lesertreff auf den Tisch. Pfaff wollte von Stefan Rother etwas über eine möglichen Durchfahrtsbeschränkung in der Altstadt bis zur Umsetzung der Umgehung wissen.

„Der Schwerlastverkehr muss raus aus der Stadt“, sagte Rother. Es müssten andere Strecken angeboten werden. Es sei ihm klar, dass dann andere betroffen seien. Konkret wurde Rother auf Nachfrage von Moderator Heinz Rohde. „Es könnte die Bundesstraße sein, die durch Niedervorschütz führt.“

Angesprochen auf die Frage, ob es nicht ein Armutszeugnis sei, dass in 40 Jahren nichts in Sachen Ortsumgehung geschehen ist, sagte Volker Steinmetz: „Es hat sich niemand darum gekümmert. Wir hätten die Umgehung vor 20, 30 Jahren haben können.“ Er werde alles tun, dass die Ortsumgehung gebaut wird.

Auch Stromnetz war Thema

Rother sieht gute Chancen, dass das Land die Umgehung baut. Einig waren sich die Kandidaten, dass die Stadt die Umgehung nicht bezahlen kann.

„Es ist utopisch, dass die Stadt in Vorleistung geht“, sagte Steinmetz. Auch Rother sagte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Finanzaufsicht das genehmigt.“

Mehrfach wurde Amtsinhaber Volker Steinmetz am Montagabend darauf angesprochen, warum er gegen den erklärten Willen des Parlaments weiter auf den Beitritt der Stadt zur Fulda-Eder-Energie (FEE) setze. Das Parlament hatte beschlossen, die Konzession an Eon zu vergeben. „Natürlich werden die Beschlüsse eingehalten“, sagte Steinmetz. „Aber ich darf als Bürgermeister auch frei denken.“ Er habe schon lange nicht mehr das Gefühl, dass es um das Wohl der Stadt gehe. Er werde sich weiter dafür einsetzen.

Stefan Rother hält eine Beteiligung an der FEE für falsch. „Es kann nicht Aufgabe einer Verwaltung sein, ein Stromnetz zu betreiben“, sagte er. Den Beschluss des Parlaments halte er für den richtigen Weg in Sachen Wertschöpfung. (kam)

Quelle: HNA

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