Belasteter Schlamm auf Feldern im Schwalm-Eder-Kreis

Schwalm-Eder. 4500 Tonnen Schlamm aus Kläranlagen werden jährlich als Dünger auf Flächen im Landkreis ausgebracht. Der Schlamm enthält Schwermetalle wie Blei und Cadmium. Heinz-Dieter Ohm, Leiter des Amtes für Landwirtschaft in Fritzlar, betrachtet diese Ausbringung mit großer Sorge.

Denn der Klärschlamm sei außerdem mit anderen kritisch zu bewertenden organischen Substanzen belastet, zum Beispiel Hormonen, Nikotin und anderen Stoffen. Deren Konzentration werde nicht überprüft, sagt Ohm.

Er kritisiert auch, dass etwa 1500 Tonnen des Klärschlamms nicht aus heimischen Kläranlagen stammen, sondern aus dem Bundesgebiet – teilweise aus Großstädten. Landwirte erhalten je Tonne Klärschlamm (Trockenmasse) bis zu 30 Euro, die sie von Kläranlagen abnehmen.

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Es geht ums Phosphat

Seit Jahren sollen die Grenzwerte für die Schwermetalle im Klärschlamm verschärft werden. Die Novellierung der Klärschlamm-Verordnung befinde sich in der Warteschleife, sagt Dr. Dietrich Schulz vom Umweltbundesamt. Innerhalb der Bundesregierung gebe es aber noch keinen Entwurf.

Im Klärschlamm sei das endliche und sehr teure Phosphat enthalten: „Das EU-Recht fordert daher sowohl die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlämmen als auch die Verhinderung dadurch bedingter Umweltschäden“, sagt Schulz weiter.

Wegen dieser Doppel-Ausrichtung des EU-Rechts würde ein Verbot der landwirtschaftlichen Klärschlamm-Verwertung dem EU-Recht widersprechen. „Klärschlamm darf aber nur so aufgebracht werden, dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird“, sagt Schulz.

In der ökologischen Landwirtschaft sind Klärschlämme als Dünger nicht zulässig. „Wir befürchten, dass bedenkliche Stoffe auf die Felder gelangen“, sagt Bio-Bauer Dietmar Groß aus Homberg.

Von Damai D. Dewert

Hintergrund I: Das ist drin im Klärschlamm

Klärschlamm enthält wertvolle Pflanzennährstoffe (Stickstoff, Phosphat, Magnesium, Spurenelemente), deren Rückführung in den landwirtschaftlichen Produktionskreislauf sinnvoll ist. Außerdem enthalten sind Schwermetalle wie Cadmium, Blei, Quecksilber, Chrom und andere. Zusätzlich enthält er auch Schadstoffe aus Abwässern, die nicht in die Umwelt ausgebracht werden sollten. Diese Stoffe können beispielsweise krebserregend und giftig sein sowie das Erbgut des Menschen schädigen. Die Klärschlammverordnung besitzt auch Grenzwerte für PCB, eine krebsauslösende chemische Chlorverbindungen. (ddd)

Hintergrund II: Kein Klärschlamm beim Gemüseanbau

In Deutschland darf Klärschlamm seit 1992 nicht auf Dauergrünland sowie Obst- und Gemüseanbauflächen ausgebracht werden, um die direkte Aufnahme des möglicherweise an Pflanzen anhaftenden Klärschlamms zu verhindern. Das ist so in der Klärschlammverordnung geregelt. Daher kommt Klärschlamm als Dünger hauptsächlich im Ackerbau, bei Raps und Zuckerrüben zum Einsatz. Er ist ein Bodendünger. In der Schweiz beispielsweise wurde Anfang 2003 allgemein eine Ausbringung von Klärschlamm auf Weiden und auf Gemüseanbauflächen verboten. Seit dem Jahr 2006 ist die Ausbringung von Klärschlamm dort vollständig verboten. (ddd)

Hintergrund III: Preis für Phosphat verdoppelt

Innerhalb eines Jahres ist der Preis für den Mineraldünger Diammonphosphat von unter 30 Euro je 100 Kilogramm auf über 60 Euro gestiegen. Die Chinesen kaufen seit Jahren große Mengen auf. Eine Synthetisierung beziehungsweise Gewinnung aus Klärschlamm ist nicht rentabel. Eine normale Getreideernte entzieht dem Boden etwa 70 Kilogramm Phosphat im Jahr je Hektar. Der Maschinenring verwertet beispielsweise 2000 Tonnen abgepressten Klärschlamm. In diesem sind rund 74 Tonnen Phosphat enthalten. Das entspricht also dem Phosphatbedarf von etwa 1000 Hektar Getreideflächen jährlich. Ein Hektar ist ungefähr so groß wie ein Fußballplatz. (ddd)

Quelle: HNA

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