Beleidigung im Gefängnis: Freiheitsstrafe für Sicherungsverwahrten

Treysa. Weil er einen Justizvollzugsbeamten mit den Worten „Bist du bescheuert, du Trottel!“ beleidigt hatte, musste sich ein 54-jähriger Sicherungsverwahrter der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt vor dem Strafrichter am Amtsgericht in Treysa verantworten.

Das Gericht verurteilte den geständigen 54-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Monat. Zudem trägt er die Kosten des Verfahrens.

Die Äußerungen täten ihm leid, beteuerte der Angeklagte vor Gericht. Ruhig und gelassen schilderte er die Geschehnisse aus seiner Sicht.

Am besagten Freitagabend im März habe er während der Freizeit seinen Haftraum betreten. Den Schlüsselbund habe er außen an der Tür stecken lassen, da er sogleich habe duschen gehen wollen. Plötzlich sei der Schlüsselbund weg gewesen.

Zunächst habe er seinen Mithäftling in der Nachbarzelle in Verdacht gehabt, ihm einen Streich spielen zu wollen, weil dessen Tür offen gestanden habe. Gemeinsam hätten sie die Station nach dem Schlüsselbund abgesucht, ohne Erfolg.

Aufgetaucht sei der Schlüsselbund in den Händen des von ihm beleidigten Bediensteten im Stationsbüro. Dieser habe ihm gegenüber behauptet, er hätte die Schlüssel an sich genommen, weil der Angeklagte nicht in seiner Zelle gewesen sei. „Ich kam mir halt verarscht vor“, sagte der 54-Jährige. Es sei ihm so vorgekommen, als hätten sich der Bedienstete und sein Kollege einen Spaß daraus gemacht, ihn und seinen Mithäftling nach dem Schlüsselbund suchen zu lassen. Auch habe er im Falle des Verlustes für die Schlüssel, darunter solche für Kühlfächer, aufkommen müssen.

Der Beamte hätte im Falle einer leeren Zelle die Tür abschließen müssen, vertrat der Angeklagte die Ansicht. Auch hätte er ihn ausrufen und ins Büro zitieren können, um sich dort den Schlüsselbund abzuholen.

„Es war die erste Auseinandersetzung mit ihm“, sagte der vom Angeklagten beleidigte JVA-Beamte, und der Angeklagte habe sich bei ihm entschuldigt. Den Vorwurf, er und sein Kollege hätten den 54-Jährigen absichtlich nach den Schlüsseln suchen lassen, wies er entschieden zurück.

Er habe den Schlüsselbund während eines Rundgangs an sich genommen und sicher verwahrt, weil der Angeklagte nicht in seinem Haftraum gewesen sei, sagte der Beamte. Die Tür habe er nicht abgeschlossen, weil es klar gewesen sei, dass sich der Angeklagte auf der gesicherten Station befunden habe.

Gegen den 54-jährigen Sicherungsverwahrten waren bereits von der Gefängnisleitung Disziplinarmaßnahmen angeordnet und eine einmonatige Freizeitsperre verhängt worden.

Ein Strafantrag wegen Beleidigung war vom Dienstvorgesetzten der beiden JVA-Beamten eingeleitet worden. (zhk)

Quelle: HNA

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