Guxhagener testet mit 465 anderen Unternehmen die Gemeinwohl-Ökonomie

Beratung nach neuer Idee

Beraten und an das Gemeinwohl denken: In Guxhagen testet ein Betrieb das Wirtschaftsystem eines österreichischen Philosophen. Von links: Ruth Well, Sarah Schmidt und Hubert Redelberger. Foto: Dräger

Guxhagen. Wer gegen den Kapitalismus ist, der ist nicht automatisch für den Kommunismus. Das ist der Grundsatz von Christian Felbers Gemeinwohl-Ökonomie. Der Philosoph entwickelte ein Wirtschaftssystem, bei dem das Gewinnbestreben der Unternehmen dem gemeinschaftlichen Wohl zugute kommen soll.

Daran nimmt auch der Guxhagener Betrieb von Hubert Redelberger teil, der Unternehmen für den ökologischen Landbau berät. Die Betriebe sollen dabei solidarisch wirtschaften und darauf achten, dass die Produkte, die sie kaufen und verkaufen, fair gehandelt sind. Bis jetzt nehmen an diesem Konzept 465 Unternehmen teil und ziehen demnächst die Bilanz, bei der demokratisches, solidarisches und ökologisches Wirtschaften mit einem Punktesystem bewertet werden.

Hubert Redelberger hat genau darauf geachtet, wie er seine Kunden berät und woher die Materialien für sein Büro kommen, denn er nahm vergangenes Jahr zum ersten Mal an Christian Felbers Gemeinwohl-Ökonomie teil. Der Betriebswirt und Agraringenieur hilft Bauern mit 50 Ziegen dabei, eine eigene Käserei aufzubauen, so dass diese auf dem Markt Fuß fassen können, und er hilft einer Hofmetzgerei, ihr Konzept zu verändern, um effizienter verkaufen zu können.

Neben seiner Beratung hat der Geschäftsmann vier Bücher über Hofmolkerei/ Hofkäserei, Hofmetzgerei, Hofbäckerei und Direktvermarktung geschrieben. In der Lektüre erklärt Hubert Redelberger, worauf es bei der Unternehmensgründung ankommt und dass kleine handwerkliche Betriebe die Frische ihrer Produkte als Vorteil nutzen können.

„Ich arbeite mit Lebensmittelverarbeitern. Dort kann ich mehr bewirken als bei mir“, sagt der Berater. „Es gibt große Unternehmen, die kaufen und verkaufen. Da ist das natürlich einfacher“, erklärt der Betriebswirt die Schwierigkeit, etwas für das gemeinschaftliche Wohl zu tun.

Wie man sich einen Arbeitstag in dem Unternehmen mit drei Mitarbeitern vorstellen kann, erklärt Mitarbeiterin Sarah Schmidt so: „Wir fahren zu den Unternehmen oder Höfen hin, werten dann die Zahlen und Gegebenheiten aus, analysieren sie und fangen an zu planen.“

Auch für Hubert Redelberger, der weite Strecken zurücklegen muss, ist Planung wichtig. Er arbeite nämlich, nach eigenen Angaben, vom Saarland bis Dresden und von Hamburg bis zum Bodensee.

„Zuletzt hatte ich auch einen Auftrag in Petersburg“, sagt Hubert Redelberger. Dort berät das Unternehmen seine Kunden nach dem Konzept von Christian Felbers Gemeinwohl-Ökonomie.

Dennoch sieht der Unternehmensberater die neue Idee zur Veränderung des Marktes kritisch: „Ich finde es gut, etwas für das Gemeinwohl zu tun und andere Dinge als nur Geld sichtbar zu machen, aber das ganze Wirtschaftssystem so zu verändern, halte ich für nicht möglich.“ (ymd)

Quelle: HNA

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