Kommentar zur Bergung eines Toten in Oberaula: Einsam gestorben

Oberaula. In Oberaula war ein Toter von Einsatzkräften der Feuerwehr mittels einer Drehleiter durch ein Fenster geborgen worden. Da war der Mann bereits tagelang tot. Ein Kommentar von HNA-Redakteurin Anne Quehl.

In der US-Tragikomödie „Irgendwo in Iowa“ zündet Hauptfigur Gilbert Grape, gespielt von Johnny Depp, das Haus über seiner toten Mutter an, um ihrem Andenken das entwürdigende Heraushieven der unförmigen Leiche mittels eines Krans zu ersparen.

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In Oberaula ist nicht Hollywood, der ganze Ort wurde Zeuge der Bergung eines Toten, der in einem großen, von vielen Menschen bewohnten Hause starb, ohne dass es über rund eine Woche jemandem aufgefallen wäre, zumal ein Hund in der Wohnung war.

Polizei, Feuerwehr und Bestatter haben einen harten Job erledigt, Respekt.

Zu hinterfragen bleibt, warum es nicht die kleinste Mitteilung über den tragischen Fall gab, obwohl so viele das Drama verfolgten und unschöne Gerüchte ausdauernd die Runde machten. Wollte man die Menschen schonen? Und wenn ja, wovor? Vor der Klarheit, dass mitten unter uns Einsame und Kranke nahezu ohne Kontakt zu ihrer Umwelt leben?

Der Fall von Oberaula ist ein hartes Lehrstück für mehr Mitmenschlichkeit.

Kontakt zur Autorin: aqu@hna.de

Quelle: HNA

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