Post: Viele krank

Beschwerden in Besse: „Post erfüllt ihren Auftrag nicht“

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Manchmal am Limit: Postzusteller bei der Arbeit. Foto: dpa

Edermünde. Fast hätte Felix Nickel aus Edermünde-Besse seinen Flug in die USA für ein Praktikum nicht nehmen können: Der dringend benötigte Pass mit Visum fehlte noch. Der Grund: Die Postmitarbeiter in seinem Dorf, in dem er noch bei seinen Eltern gemeldet ist, hatten den Umschlag mit den Unterlagen offenbar an einen anderen Mann gleichen Namens, aber mit völlig anderer Adresse im Ort zugestellt.

„Ich hatte Glück, dass die Sekretärin dieses Mannes mich anrief, da ich noch im Telefonbuch stehe“, schreibt Felix Nickel. Sonst hätte ich meinen Flug nicht nehmen können und umbuchen müssen. Auf meine Kosten.“

All das war bereits im April passiert, Felix Nickel konnte noch rechtzeitig in die USA fliegen, wo er sich jetzt auch aufhält. Doch die Situation sei in Besse seitdem nicht besser geworden, im Gegenteil: „Die Post kommt ihrem Versorgungsauftrag nicht nach“, schreibt er per Mail aus den USA. Seit Samstag vergangener Woche, so die Mail vom Mittwoch, sei keinerlei Post bei seinen Eltern angekommen.

Das sei ein Skandal: Es zeige, dass die derzeitige Unternehmenspolitik der Personaleinsparung sich eindeutig negativ auf die Wahrnehmung des Versorgungsauftrages der Post auswirke, so Nickels Meinung.

Aktuell wartet er dringend auf Unterlagen, die er für eine Masterbewerbung braucht – die Frist laufe am Sonntag ab. Auch sein Vater benötige Dokumente für seinen Betrieb. „Von der Post (hängen) viele offizielle und wirtschaftsrelevante Prozesse (Universitätszulassungen, administrative Prozesse) ab, da gerade die Post dazu genutzt wird, offizielle Dokumente, die im Original benötigt werden, zuzustellen“, schreibt Nickel.

Die Nicht-Erfüllung des Versorgungsauftrages stelle auf verschiedene Weisen eine Gefahr für die Wahrnehmung offizieller Pflichten und Einhaltung von Fristen dar. Ferner sei dies auch eine Gefährdung der örtlichen Unternehmen.

Dass die Post dann sogar – wie kürzlich – für eine komplette Straße im Briefkasten eines Anwohners abgeliefert werde, setze dem Ganzen die Krone auf. Das sei ein unzumutbarer Zustand. Auch im Ortsteil Holzhausen habe es ähnliche Fälle gegeben. In einem Land wie Deutschland sollte es eigentlich möglich sein, die grundlegenden Wege der Kommunikation aufrecht zu erhalten, schließt er. Bei der Post weiß man um die Probleme in Edermünde. „Wir entschuldigen uns für die Verzögerungen und Wartezeiten“, sagte am Donnerstag Pressesprecher Thomas Kutsch auf Anfrage der HNA.

Er bittet aber gleichzeitig um Verständnis, denn es habe sich in Besse um eine verschärfte Lage gehandelt mit mehreren Krankheitsfällen hintereinander. Vertretungskräfte seien dann auch noch ausgefallen, sodass reguläre Zusteller diese Bezirke zusätzlich zu ihrem übernehmen mussten.

„Wenn ein Zusteller mit seinem Bezirk fertig ist, macht er in dem anderen weiter – aber irgendwann ist die maximale Arbeitszeit erreicht, dann hört er auf“, sagte Kutsch. Dann bleibe Post liegen.

Vertretungen müssten erst eingearbeitet werden, da könne es Probleme geben. „Die Situation war sehr angespannt, aber es wird besser“, sagte der Pressesprecher zu. Man habe weitere Entlastungskräfte angefordert.

Er habe Verständnis für den Ärger der Postkunden, die dringende Sendungen erwarteten. Doch solche krisenhafte Situationen könne es geben.

Strukturelle Probleme bei den Zustellern wegen zu geringen Personalbestands könne er jedoch nicht bestätigen, sagte Kutsch.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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