Handwerksnachmittag mit Johannes Hoos

Technik des Besenbindens in Obergrenzebach neu entdeckt

Mit Spaß bei der Sache: Von links Andrea Mangold, Astrid Riebeling und Lothar Steinbrecher.

Obergrenzebach. Nicht umsonst heißt es in einem alten Sprichwort „Neue Besen kehren gut".

Davon überzeugten sich am Samstag 20 Gäste auf dem Hof von Hartmut Ziegler in Obergrenzebach. Der Kulturverein des Ortes hatte eingeladen, um die Tradition des Besenbindens zu vermitteln, und die Resonanz war groß.

Im Stall nahmen die Teilnehmer des Kurses Platz, zu ihren Füßen frischer Birkenreisig. Alexander Riehm hatte die Idee im Ort angestoßen, die Technik in großer Runde wieder aufleben zu lassen. In Landwirt Johannes Hoos (78) wurde ein alter Einheimischer gefunden, der die heute seltene Fertigkeit noch bestens beherrscht.

Denn Johannes Hoos, genannt Hennes, hat das schon als Kind gelernt. „Das war eine Arbeit für die Winterabende“, erzählte er. Wer ein gut kehrendes Modell sein eigen nennen wollte, musste nicht nur Zeit, sondern auch Geschick mitbringen.

Birke ist am besten 

Zunächst wurde der Reisig auf Länge geschnitten: „Zum Stiel hin muss er geformt, sprich verjüngt, werden“, erläuterte Hartmut Ziegler. Das richtige Maß für die Größe des Besens gaben jeweils schlicht die Hände vor. Birke eigne sich am besten, weil die Zweige biegsam und flexibel sind, berichtete Hoos.

Beherrscht die Technik: Johannes Hoos. Fotos:  Rose

Viel Werkzeug war nicht nötig, nur eine Zange und ein scharfes Messer. Mit dem rückten die Nachwuchs-Handwerker zunächst der Rinde zu Leibe. Mit gezieltem Schnitzen befreiten sie die Äste von der störenden Haut. „Das muss sein, sonst wird der Besen oben zu unhandlich“, erklärte Ziegler. Der Obergrenzebächer erinnert sich noch gut an seine Kindheit: „Ich habe die alten Besen verflucht. Mit denen ließ sich wirklich nichts mehr aufkehren.“ Wer den Reisig gebündelt und vorbereitet hatte, griff nach festem Draht. Um recht viel Zug zu bekommen, wurde zunächst ein Ast kräftig mit Draht umwickelt. Dann war Kraft gefragt: Es galt, die Zweige kräftig zu verzurren, damit der Besen beim späteren Gebrauch nicht auseinander fällt.

Bernd Reitz aus Leimsfeld hatte sich zur Unterstützung seine sechsjährige Tochter Marie mitgebracht. Aufmunternde Worte gab es von Andrea Mangold, als Astrid Riebeling sich am Finger verletzte.

Doch das tat dem Spaß in der lustigen Runde keinen Abbruch. Derweil bereitete Lothar Schmitt die passenden Stiele vor. „Haselnuss eignet sich prima, ebenfalls Holunder - leicht und gleichzeitig hart“, merkte der Obergrenzebächer an. Das Schnitzmesser hat er einst von seinem Opa geerbt.

Und so saß man konzentriert und plaudernd beieinander, bis Besen um Besen dem ersten Kehrtest unterzogen werden konnte.

Die allesamt zufriedenen Handwerker stärkten sich zum Abschluss mit selbst gebackenem Brot, Ahler Wurscht und Schmalz.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare