Bestellt, ohne zu zahlen: 19-Jährige muss 20 Sozialstunden leisten

Schwalmstadt. Mehr als konkrete Lebenshilfe denn als Prozess erwies sich kürzlich eine Verhandlung vor dem Jugendgericht in Schwalmstadt.

Am Ende gab es für eine 19-jährige Frau aus dem Altkreis Ziegenhain wegen Betrugs nicht nur eine relativ milde Strafe, sondern auch ein paar wohlgemeinte Ratschläge.

Worum ging es? Laut Anklageschrift hatte die Hausfrau im vergangenen Jahr bei einem Onlinehändler zwei Mal PC-Zubehör bestellt, ohne die Rechnung zu bezahlen. Dem Händler entstand ein Schaden von 66 Euro. Als die junge Frau auch auf Mahnungen nicht reagierte, landete der Fall vor dem Jugendgericht. Da die Angeklagte bereits im Sommer in derselben Sache einen Verhandlungstermin hatte platzen lassen, wurde sie auf Anordnung des Gerichts von der Polizei vorgeführt.

Offensichtlich aus gutem Grund. Sie habe ja gar nicht gewusst, dass sie heute einen Gerichtstermin gehabt habe, sagte die Frau verdutzt auf Nachfrage des Richters. Überhaupt schien die junge Frau von der Gesamtsituation überfordert. „Es war zu der Zeit wirklich viel Stress bei mir“, entschuldigte sich die zweifache Mutter. Es sei richtig, sie habe die Sachen bestellt, obwohl sie gar kein Geld gehabt habe, räumte die Angeklagte ein. Damals habe sie noch in einer Beziehung mit dem Vater eines ihrer Kinder gelebt und man habe sich ein Konto geteilt.

Auf die Frage des Richters, warum sie denn das Geld bis heute nicht bezahlt habe, zuckte die Frau hilflos mit den Schultern. Einen Überblick über ihre Finanzen schien die Angeklagte nach wie vor nicht zu haben. „Das ist ja schon über ein Jahr her. Die Kosten werden doch immer höher“, mahnte der Vorsitzende.

Als Staatsanwalt und Richter der 19-Jährigen gemeinsam erklärten, dass sich der Gesamtbetrag auf 147,13 Euro mittlerweile mehr als verdoppelt habe, war die Angeklagte sichtlich überrascht. Dabei würde sie doch regelmäßig die Post lesen, beteuerte die 19-Jährige. Eine Aussage, die den Staatsanwalt skeptisch die Stirn runzeln ließ. Beide Juristen rieten der Frau, so schnell wie möglich ihre Schulden abzuzahlen. „Am besten sie zahlen jeden Monat in Raten. Sonst werden sie ja nie schuldenfrei“, betonte der Staatsanwalt eindringlich.

Da die 19-Jährige bislang noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war und sich geständig zeigte, forderte die Staatsanwaltschaft als Strafe zwanzig Sozialstunden. Eine Geldauflage sei ja sowieso nicht realistisch, meinte der Vertreter der Anklage.

Alte Regel 

Das Gericht sah es genauso und folgte in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. „Es ist eine alte Regel: Wenn man kein Geld hat, dann kann man nichts bestellen“, stellte der Richter in der Urteilsbegründung fest. „Gehen Sie doch mal zur Schwälmer Tafel“, riet der Vorsitzende der 19-Jährigen zum Schluss: „Da gibt es Unterstützung und Hilfe.“

Quelle: HNA

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