Finnische Austausch-Schülerin schaut sich für ein Jahr das deutsche Schulsystem an

Am besten sind die Ferien

Ob in Finnland oder Deutschland: Schule muss sein. Elisa Juutilainen (links) und Stefanie Würfel freuen sich auf ein gemeinsames Jahr. Foto:  M. Berger

Neuenbrunslar. Ist Schule in anderen Ländern leichter? Das fragt sich zurzeit eine Austausch-Schülerin aus Finnland, die seit August in Neuenbrunslar ist - und dort für ein Jahr bleiben wird. Elisa Juutilainen ist 17 Jahre alt und lebt in einer Stadt nahe Helsinki.

Elisa ist nicht zufällig in Nordhessen. „Meine ganze Familie hat einen Bezug zu Deutschland“, erzählt die Gymnasiastin in hervorragendem Deutsch. Immerhin habe der Vater drei Jahre in Hamburg gelebt, „und ich selber habe in Finnland einen deutschen Kindergarten besucht.“

Ihr Jahr verbringt Elisa jetzt bei Familie Würfel in Neuenbrunslar, und die hat bereits einige Erfahrung mit Austausch-Schülern. Tochter Stefanie war selber gerade für zehn Monate in den Vereinigten Staaten, vor zwei Jahren versorgte die Familie ein Gastmädchen aus Kolumbien für sechs Monate (die HNA berichtete).

Elisa Juutilainen wird in den kommenden Monaten zusammen mit Stefanie Würfel in die Ursulinenschule in Fritzlar gehen. Die Schule in Deutschland, so sagt die 17-jährige Finnin, ist in einigen Punkten anders als in ihrer Heimat. „Zum Beispiel gibt es das dreigliedrige System mit Haupt-, Realschule und Gymnasium nicht“, sagt Stefanie Würfel. Und Elisa Juutilainen erklärt: „Bei uns gibt es die Unterstufe von der ersten bis zur sechsten Klasse und die Oberstufe von der Sieben bis zur Neun - und die müssen alle Schüler besuchen.“ Erst dann entscheide sich, ob ein Jugendlicher den gymnasialen Weg bis zum Abitur wählt oder eine Ausbildung beginnt.

„Die Noten sind bei uns auch anders“, sagt Elisa Juutilainen. Zensuren von 1 bis 6 gebe es nicht, „in Finnland geht das von 4 bis 10, wobei eine 4 die schlechteste Note ist.“ Weshalb finnische Zensuren ausgerechnet bei der zehn enden, weiß Elisa auch nicht.

„Am schlimmsten ist der Unterschied bei den Schulstunden und Ferien“, sagt Elisa. „Da habt ihr Deutschen es viel besser.“ Immerhin dauert eine finnische Unterrichtseinheit 75 Minuten - „deshalb haben wir auch keine Doppelstunden.“ Und die Ferien, so findet Elisa Juutilainen, sind in Deutschland auch viel besser übers Jahr verteilt. „Wir haben zwar etwa elf Wochen Sommerferien“, erzählte Elisa. „Dafür aber nur eine Woche Herbst- und zwei Wochen Weihnachtsferien.“ Zu Ostern gebe es sogar lediglich ein verlängertes Wochenende frei.

Das alles kratzt Elisa Juutilainen momentan herzlich wenig. Die nächsten zwölf Monate genießt sie das Leben auf deutschen Schulbänken. Auch wenn sie das versäumte Jahr zuhause nachholen muss. „Das macht mir nichts, denn ich freue mich auf das Jahr in Neuenbrunslar.“ HINTERGRUND rechts

Von Markus Berger

Quelle: HNA

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