150 Waben pro Jahr werden geschmolzen

Betreiber des Bienenmuseums erfanden solarbetriebene Wachsschmelze

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Hans Joachim Flügel und Erika Geisseler mit ihrer solarbetriebenen Waben-Wachsschmelze, das kleine Bild zeigt das Innenleben, wenn der Schmelzprozess schon begonnen hat, unten läuft das gelbe Bienenwachs aus den Waben zusammen. Fotos:Thiery

Niederbeisheim. Wer kennt ihn nicht, den Duft von Kerzen aus echtem Bienenwachs und die knallgelbe Farbe. Dafür werden die Waben, in denen die Bienenvölker ihren Nachwuchs groß ziehen, geschmolzen und weiter verarbeitet. Echte Bienenwachskerzen sind ein reines Naturprodukt.

Jetzt haben die Betreiber des Bienenmuseums in Niederbeisheim dies noch getoppt. Sie entwickelten eine solarbetriebene Schmelze für die Waben. Die Bienen produzieren den Wachs in eigens dafür angelegten Drüsen im Körpe, drücken ihn dann heraus, verknoten ihn und bauen Millionen dieser kleinen Kammern, in die die Königin die Eier legt.

Aber auch diese Behausungen unterliegen einem Verfall, sie werden spröde und brüchig, erklärt die Imkerin Erika Geisseler. Dann schmelzt der Imker sie ein und sie werden etwa zu Kerzen verarbeitet.

Dafür werden seit vielen Jahren Kästen gebaut, die mit einer Glasscheibe versehen, in die Sonne gestellt werden, der Wachs schmilzt dann in der einfachen Konstruktion.

Aber es gibt auch einen deutlichen Nachteil. Der Imker muss die Schmelzvorrichtung immer mit der Sonne drehen. Stündlich muss der Tiegel ausgerichtet werden. Dafür haben die Imker nun eine neue Vorrichtung gebaut. Solarkollektoren betreiben einen kleinen Motor, der den Schmelztiegel automatisch mit der optimalen Sonneneinstrahlung dreht.

Das funktioniert in etwa ähnlich wie bei den Solarfeldern, erklärt Hans-Joachim Flügel. Auch dort werden die Solarflächen mit der Sonne gedreht, um die Ausbeute zu optimieren. Die Idee hatten Hans-Joachim Flügel und seine Frau Erika Geisseler von einer Ulmer Berufsschule übernommen. Die hatten an dem Projekt Jugend forscht teil genommen, und eine ähnliche Konstruktion entwickelt. Leider funktionierte die Anlage nicht, erklärt Geisseler. „Wir haben die Vorlage genommen und das Projekt optimiert.“Es gibt auch strombetriebene Dampfwachsschmelzer, die seien aber nicht so umweltfreundlich, meinen die Betreiber noch. Mit dem neuen Konstrukt haben sie somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und eine uralte Methode modernisiert, allein mit der Kraft der Sonne.

Geholfen hat ihnen dabei die Kreissparkasse Schwalm-Eder, sie unterstützte den Bau des Prototypen mit 1000 Euro. Der soll jetzt mit den nächsten Sonnenstrahlen kräftig arbeiten, denn es wird einiges auf ihn zu kommen.

Im Lebendigen Bienenmuseum werden pro Jahr etwa 150 solcher Waben geschmolzen. Die Imker haben sechs Bienenvölker auf ihrem Hof, da fällt so einiges an Bienenwachs an, das im Winter auf Weihnachtsmärkten verkauft wird. Nun wollen die Ulmer Berufsschüler diese Idee wieder von den Imkern kopieren und dann nach dieser Vorlage eine solarbetriebene Wachsschmelze bauen. „Die wird dann auch funktionieren, erzählt Geisseler.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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