Betriebe vor dem Aus, weil Nachfolger fehlen - viele ältere Chefs planen die Betriebsübergabe zu spät

Schwalm-Eder. Ältere Firmen-Chefs stellen oft zu spät die Weichen für die Unternehmensnachfolge. Das gilt sowohl für Handel und Industrie als auch für das Handwerk.

Nach Einschätzung der IHK stehen pro Jahr etwa 60 Betriebe mit einem Gewinn von mehr als 100.000 Euro (zu versteuernd) vor diesem Problem. Wenn sich kein Nachfolger finde, drohe selbst bei solch interessanten Firmen das Aus, sagt Andreas Fischer vom IHK-Servicezentrum in Homberg.

Fischer: „Viele können nicht loslassen und haben falsche Vorstellungen davon, wie lange es dauert, die Nachfolge zu regeln.“ Das bestätigt Jürgen Altenhof, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Ab dem 60. Lebensjahr sollte sich ein Betriebsinhaber über die Nachfolge Gedanken machen“, sagt er. Bis zum Jahr 2020 stünden etwa 270 Handwerksbetriebe aus allen Branchen im Landkreis zur Betriebsnachfolge an.

Mit dem demografischen Wandel steige die Zahl der älteren Firmenchefs an. Fischer: „Deshalb ist das für uns ein Schlüsselthema.“ Sowohl die IHK als auch die Kreishandwerkerschaft bieten Beratungen an. Die klassische Nachfolgeregelung innerhalb der Familie funktioniert im Bereich der IHK nur noch bei etwa 54 Prozent der Firmen, 17 Prozent gehen an Mitarbeiter, Freunde oder weitläufige Verwandte über. In 29 Prozent der Fälle muss ein externer Nachfolger gefunden werden. Für Anbieter und Bewerber um gibt es die bundesweite Betriebsbörse „nexxt change“. Dort seien derzeit zwölf Handwerksbetriebe aus dem Landkreis gelistet, so Altenhof.

Die gute Beschäftigungslage erleichtert die Nachfolgeregelung nicht gerade. Wer einen sicheren Job habe, sei eher nicht bereit, unternehmerisches Risiko zu suchen, erklärt Fischer. Vor allem in Industriebetrieben sei es schwierig, die Nachfolge zu regeln. Das liege unter anderem an höheren Übernahmekosten.

Übernahme muss lukrativ sein

Nach Einschätzung des Instituts für Mittelstandsforschung sollten Betriebe mindestens einen Jahresgewinn von 54 000 Euro erwirtschaften, damit die Übergabe an einen Nachfolger überhaupt in Frage kommt. Dieses Kriterium erfüllten aber längst nicht alle Firmen, sagt Andreas Fischer vom IHK-Servicezentrum in Homberg.

Spätesten drei Jahre vor der geplanten Übergabe sollte man mit der Suche nach einem Nachfolger anfangen, rät er. Bei der Wahl des Termins sollte man möglichst flexibel sein. Spätestens zwölf Monate vor dem geplanten Wechsel sollte der Prozess der Übergabe beginnen, damit eventuelle Hürden noch beseitigt werden können.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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