Mann stahl sechsstelligen Betrag

Betrug beim DRK Schwalm-Eder: Keiner ahnte etwas

Schwalm-Eder. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Schwalm-Eder wurde um eine sechsstellige Summe betrogen: Ein Ex-Mitarbeiter soll das Geld über Jahre hinweg unterschlagen und in die eigene Tasche gesteckt haben.

Der Zufall hat den Vorgang nun ans Licht gebracht. Die Tat wurde jetzt bei der routinemäßigen Jahresabschlussprüfung entdeckt. Das Geld sei über Jahre hinweg mit so viel Fachwissen, Raffinesse und krimineller Energie abgezweigt worden, dass es auch versierten Wirtschaftsprüfern nicht aufgefallen sei, berichtet DRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Lau (Schwalmstadt). Der beschuldigte Mann, der aus dem Schwalm-Eder-Kreis stammt, habe alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestätigt und die Tat unumwunden zugegeben. Der mutmaßliche Betrüger ist heute nicht mehr beim DRK beschäftigt, sondern bereits im vergangenen Jahr in den Ruhestand getreten.

Lau zeigte sich im Gespräch mit unserer Zeitung zutiefst betroffen. Es habe bis zum Ergebnis des Abschlussprüfung keinerlei Verdachtsmomente gegen den ehemaligen Mitarbeiter gegeben. „Wir sind eine große Organisation, aber nur eine kleine Verwaltung“, sagt Lau. „Da ist es wichtig, dass sich der eine auf den anderen verlassen kann.“

Die ehrenamtliche Arbeit des DRK sei vom mutmaßlichen Betrug nicht betroffen: „Das entwendete Geld stammt allein aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb“, betont der Kreisgeschäftsführer. Dazu gehören Bereiche wie Reiserückholungen, Altkleidersammlungen und Blutspenden. Welcher Bereich betroffen ist, wollte Lau allerdings nicht sagen, auch die Höhe der Summe wollte er wegen der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Marburg nicht nennen.

Die größte Sorge des DRK sei es nun, dass der Vorfall die Motivation der vielen ehrenamtlichen Arbeitenden beeinträchtigt.

Mit Fachwissen getrickst

Manfred Lau kann es nicht fassen. Jahrelang hat der Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes in Schwalmstadt vertrauensvoll mit jenem Mann zusammengearbeitet, dem jetzt vorgeworfen wird, die Hilfseinrichtung um eine hohe sechsstellige Summe betrogen zu haben.

„Es gab null, absolut null Verdachtsmomente“, sagte Lau am Montag. Seit jenem Tag, als die Jahresabschlussprüfung den Vorgang ans Licht brachte, sei er fassungslos: „Es tut mir persönlich weh.“

Über das hohe Ausmaß an Raffinesse und krimineller Energie, mit dem er ans Werk gegangen sei, sagt Lau: „Er hat mit seinem Fachwissen einfach alle Kontrollmechanismen ausgehebelt. Deshalb konnte die Revision auch nie etwas finden“, sagt Manfred Lau.

Jetzt sei es die Aufgabe des DRK, Lehren aus dem Vorfall zu ziehen, die Transparenz zu erhöhen, die Kontrolle noch weiter zu verstärken. Das sieht auch Vizelandrat und DRK-Kreisvorsitzender Winfried Becker so. Jetzt gelte es, alle Daten und Fakten zusammen zu tragen, um den Vorgang lückenlos aufzuklären. „Wir wollen und werden alles tun, was verhindert, dass so etwas nochmal passieren kann.“ Das DRK hat außerdem zivil- und strafrechtliche Schritte eingeleitet.

Auch Vizelandrat Becker zeigte sich menschlich enttäuscht: „Der ehemalige Finanzbuchhalter hat seine Stelle mit hochkrimineller Energie aufs Übelste ausgenutzt.“

Für Manfred Lau steht fest, dass das DRK die entwendete Summe zurückfordern werde. Noch größer als seine Sorge um das Geld ist aber die ums Image der Hilfsorganisation: Lau will um jeden Preis verhindern, dass zu dem finanziellen nun auch ein sozialer Schaden entsteht.

Seine Befürchtung: dass sich Freunde und Gönner wegen des Vorfalls von der Hilfsorganisation abwenden. Das wäre für Lau das Schlimmste, was nun passieren könnte.

Laus Sorge, dass die Motivation der Helfer leiden könnte, scheint vielen unberechtigt: „Der Vorfall erschüttert mein Engagement beim DRK in keinster Weise“, sagt Bodo Fäcke, Vorstandsmitglied im DRK-Kreisverband und im Ortsverein Homberg. Er sei von der Idee des Roten Kreuzes felsenfest überzeugt, daran ändere auch der Betrugsvorwurf nichts: „Natürlich bin ich enttäuscht. Aber ich bin auch Realist genug um zu wissen, dass es überall Menschen gibt, die sich illegal Vorteile verschaffen wollen.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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