Beute im Kornfeld - Mutmaßliche Täter und Hehler stehen vor Gericht

Fritzlar. Vor dem Fritzlarer Amtsgericht müssen sich drei Männer verantworten, denen gemeinschaftlicher Wohnungseinbruchsdiebstahl zur Last gelegt wird. Ein 53-Jähriger aus Kassel soll sie als Hehler angestiftet haben.

Es treten ein die Vorsitzende Richterin, zwei Schöffen, der Staatsanwalt und die Gerichtsschreiberin. Neben zwei erschienenen Angeklagte werden zwei weitere aus der Untersuchungshaft vorgeführt, begleitet von jeweils zwei Justizwachmeistern. Die vier Rechtsbeistände ziehen schwarze Talare über, während das Publikum die zugewiesenen Plätze einnimmt.

24, 25 und 27 Jahre alt sind die Männer aus der Region, denen gemeinschaftlicher Wohnungseinbruchsdiebstahl vorgeworfen wird. Ein 53-Jähriger aus Kassel soll dazu angestiftet haben mit dem Angebot, eventuelles Diebesgut für den Weiterverkauf anzunehmen.

Im Juni 2014 wurde nachmittags im Auto in langsamer Vorbeifahrt eine neu gebaute, einsam gelegene Villa ausgekundschaftet. Die Rollos waren heruntergelassen. Vor dem Eingang gab es eine Kamera und Bewegungsmelder. Erst jetzt soll einem der Angeklagten bewusst geworden sein, dass ihm bereits von dieser Villa erzählt worden war. Die vermögenden Inhaber seien verreist.

Der dritte Mann wurde abgeholt mit der Bitte, eine Brechstange mitzunehmen. Unterwegs wurde ihm die Lage erläutert. Zudem erhielt er Hinweise auf die Kamera und das Fenster der Speisekammer. Dort war das Rollo nicht heruntergelassen worden. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis das Fenster aufgehebelt war. Die beiden Mittäter standen Schmiere. Vom Keller bis zum Dach wurde alles gründlich durchsucht. „Ich wollte den Personen nicht schaden, sondern mich nur bereichern“, erläutert der Dieb in seinem Geständnis.

Eine Tasche mit Schmuck und Uhren wurde im Kornfeld versteckt. Dann wurde auch noch der Audi aus der Garage geholt. Das leise Bedauern, weil im Pkw kein Fahrzeugbrief lag, geht im Gelächter des Publikums unter. Im Alleingang geht dann später in der Nacht der Dieb ein drittes Mal auf Tour. Doch da hört er schon die Polizei vor der Tür, und nur in letzter Sekunde kann er aus der Speisekammer springen.

Die Beute verliert er auf dem Acker, wo sie erst am nächsten Tag von den dreien gesucht und gefunden wird. Insgesamt beträgt der Schaden 100.000 Euro. Der vermutliche Hehler will jedoch nur wenige Euro geben. Die Diebe wissen nicht, wohin mit der Beute. Sie fahren wochenlang damit umher. Die Aussagen vor Gericht stimmen nur teilweise mit den Protokollen der Verhöre überein. Es werden drei Polizisten als weitere Zeugen geladen. Die Verhandlung wird in dieser Woche fortgesetzt.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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