Seit Wochen suchen Diebe die Melsunger Stadtkirche heim

Auf Beutezug in der Kirche - Gotteshaus geschlossen

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Die Täter versuchten, die Spendenbox von unten abzufackeln, dann setzten sie das Stecheisen an: Dr. Sigurd Sadowski zeigt die Schäden, die Diebe seit Wochen in der Melsunger Stadtkirche anrichten.

Melsungen. Die meisten Besucher wollen nicht glauben, was sie da lesen. „Die Kirche ist vorübergehend geschlossen“ steht auf dem Zettel, der am Haupteingang der Melsunger Stadtkirche hängt. Viele rütteln an der Klinke, bis sie merken, dass es stimmt.

Das Gotteshaus, das sonst täglich zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet war, ist ab sofort verschlossen – um die Kirche vor den Dieben zu schützen, die dort in den vergangenen Wochen die Kollektenkästen abrissen, Schränke aufhebelten, Spendendosen knackten. Jetzt ziehen Pfarrer Sigurd Sadowski und der Kirchenvorstand die Konsequenzen – sie verschließen die Türen, die seit 13 Jahren Tag für Tag offen standen.

Massive Zerstörungen

„Wir haben lange gezögert, ob wir diesen Schritt gehen sollen“, sagt Dr. Sigurd Sadowski. „Nun aber ist der Grad der Zerstörungen so hoch, dass wir reagieren mussten.“

Die Diebe sind überall auf der Suche nach Beute: Küster Helmut Kühlborn vor dem aufgebrochenen Technikschrank.

Die Täter haben bei ihren Beutezügen eine Spur der Verwüstung durch die Kirche gezogen. Sie haben versucht, eine Spendenbox abzufackeln, haben einen Kollektenkasten von einer Säule abgerissen und einen anderen mit brachialer Gewalt aufgebrochen. Zudem manipulierten sie das Schloss des Schranks, in dem die Technik des Gotteshauses untergebracht ist: Als Küster Helmut Kühlborn neulich die Glocken läuten wollte, passte sein Schlüssel nicht mehr – er musste die Türen selbst mit Gewalt öffnen, damit er überhaupt das Licht anmachen konnte. „Wir sind ratlos und enttäuscht“, fasst Sadowski die Lage zusammen.

Alle Hinweise, dass die Kollektenkästen täglich mehrfach geleert werden, schreckten die Täter nicht ab. Auch die Tatsache, dass täglich um die 100 Menschen die Stadtkirche besuchten, hindert die Diebe nicht daran, am hellen Tage zuzuschlagen. Pfarrer Sadowski trifft das sehr: „Das ist ein Sakrileg: Die Diebe nehmen ja nicht nur unser Geld, das wir brauchen, um die Kirche zu erhalten. Sie zerstören auch das Vertrauen, dass es Orte gibt, an denen Menschen Ruhe finden können.“

Wann die Tür der Kirche wieder offen sein wird, kann er nicht sagen: „Wir müssen jetzt überlegen, wie wir die Lage in den Griff bekommen. Aber das braucht noch Zeit.“

Quelle: HNA

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