Bewährte Freundschaft

Seit Jahrzehnten treffen sich Rotarier aus Rotenburg-Melsungen und Issoudun

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Besuch in Nordhessen: Die Mitglieder des Rotary Clubs Issoudun besuchten ihre Partner vom Club Rotenburg-Melsungen. Auf dem Programm standen unter anderem ein Besuch im VW-Werk Baunatal und im Kasseler Schloss Wilhelmshöhe. Foto: privat

Melsungen/Issoudun. 1000 Kilometer liegen zwischen Melsungen und Issoudun in Zentralfrankreich. Über diese Distanz hinweg haben sich in den vergangenen Jahrzehnten aber enge Freundschaften entwickelt - zwischen den örtlichen Rotary Clubs.

Jedes Jahr zu Himmelfahrt steht ein Treffen an: Dann kommen die Franzosen nach Deutschland oder die Deutschen nach Frankreich. Gerade sind wieder 32 Franzosen zu Gast in Nordhessen.

Dr. Heinrich Anger aus Hessisch-Lichtenau gehört zu den Club-Mitgliedern, die sich jedes Jahr mit ihren französischen Partnern treffen. Zusammen mit seiner Frau hat er 1980 zum ersten Mal an einem Frankreich-Besuch mit dem Rotary-Club teilgenommen. „Dabei sprach ich überhaupt kein Französisch - aber meine Frau konnte das zum Glück.“

Die Teilnehmer des Austauschs sind heute zwischen Anfang 30 und Ende 70. Heinrich Anger gehört mit seinen 76 Jahren zu den Ältesten. Er sei zwar in einem Alter, in dem man nicht mehr besonders gern 1000 Kilometer in einem Reisebus zurücklegt. „Aber wenn wir das aufgeben, verlieren wir ein Stück Freundschaft“, sagt Anger. „Wenn man einmal dabei war, ist das wie eine Sucht.“ Bis heute übernachten die Angers jedes Mal bei derselben französischen Gastfamilie und umgekehrt. „Wir waren begeitert über die freundliche Aufnahme“, erzählt Anger. Seine Frau telefoniert alle paar Wochen mit den französischen Partnern, um den Kontakt zu halten.

Dass es einmal so leicht sein würde, diese Freundschaft zu pflegen, hätten die Rotarier vor 40 Jahren wohl nicht gedacht. „Der Club Rotenburg-Melsungen wurde 1972 gegründet. Damals war der Zweite Weltkrieg in den Köpfen noch präsent, deshalb hat der Rotary Club Deutschland großen Wert auf einen guten Kontakt zu Frankreich gelegt“, erklärt Anger. Alle deutschen Clubs wurden aufgerufen, sich eine französische Partnervereinigung zu suchen. Im Rotary Club Melsungen-Rotenburg fiel die Wahl schließlich auf das Städtchen Issoudun, und einige Club-Mitglieder fuhren zu einem ersten Treffen nach Frankreich.

Viele Jäger dabei

„Das war anfangs alles sehr schwierig“, schildert Anger die Erlebnisse der älteren Rotarier. „Im französischen Club waren nämlich viele Kriegsteilnehmer, die Schreckliches erlebt hatten: Einige wurden zum Beispiel nach Deutschland in Arbeitslager deportiert.“ Beide Seiten mussten sich zunächst vorsichtig beschnuppern. „Aber mit der Zeit hat sich das Verhältnis entkrampft.“ Dazu trug vor allem bei, dass in beiden Clubs viele begeisterte Jäger Mitglied waren. Die trafen sich zum gemeinsamen Jagen: „Da taute das Eis langsam auf“, sagt Anger. Inzwischen sei die Freundschaft ganz selbstverständlich geworden. „Es gibt keine Tabus mehr, wie reden auch über Politisches ganz unbefangen.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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