Bewährungsstrafe für Amokfahrt

Melsungen/Kassel. „Catch me if you can!“ prangte als Aufkleber auf der Heckscheibe des 23-Jährigen, der am Mittwoch vor dem Kasseler Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe davon kam, nachdem er sich eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hatte.

Was in jener Nacht im November 2010 passiert war, wirkt durchaus filmreif.

Der 23-Jährige aus Melsungen hatte in einer Kasseler Kneipe einiges getrunken und war dann in sein Auto gestiegen. An der Ecke Wolfhager/Mombachstraße rammte er ein Verkehrsschild, dessen Metallstange sich in das Blech der Karosserie bohrte. Trotzdem fuhr er weiter, Polizisten, die den Wagen verfolgten, berichteten vor Gericht, dass die Funken stoben, als der betrunkene Fahrer mit dem auf dem Asphalt schleifenden Schild durch die Straßen brauste. Am Kreisel schafften es die Verfolger, den Wagen endlich einzuholen. Doch statt anzuhalten und auszusteigen, rammte der 23-Jährige den Streifenwagen und fuhr bei Rot über die Ampel.

Auf der A 49 hätte er in seinem VW Polo fast seine Verfolger abgehängt. „Er war sehr sportlich unterwegs“, erinnerte sich ein Polizeibeamter als Zeuge. In Heßlar, einem Stadtteil von Felsberg, verlor der 23-jährige noch einmal die Kontrolle über seinen Wagen und krachte gegen eine Hauswand.

Als sich ein Streifenwagen hinter ihm postierte, fuhr er zurück und rammte ihn. Ein Beamter beendete das Spektakel, indem er die Scheibe auf der Fahrerseite des Polo einschlug, dann wurde der 23-Jährige festgenommen.

Von all dem, beteuerte er vor Gericht, wisse er nichts mehr, weil er sturzbetrunken gewesen sei. „Ich erinnere mich daran, dass ich auf der Trage des Krankenwagens lag.“ Laut Gerichtsmediziner Manfred Riße, der ein Gutachten zu den Auswirkungen des Alkohols erstellt hatte, erforderte die Handlungsweise des Angeklagten jedoch „eine ganze Portion an Steuerungsvermögen“.

So hatte ein Polizist beobachtet, wie der flüchtende Fahrer den Rückspiegel verdunkelte, als die Beamten im Auto hinter ihm das Fernlicht anschalteten. Auch den Versuch, nach der Kollision mit der Hauswand in Heßlar zu flüchten, deutete Riße als Indiz dafür, dass „keine erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit“ vorlag.

Das Gericht sah es ähnlich, es setzte die ausgeurteilte Strafe von 14 Monaten jedoch zu drei Jahren auf Bewährung aus. „Mit Bauchschmerzen“, wie Richter Römer gestand. Doch er musste trotz der „erheblichen Gefährdung“ während der Amokfahrt auch berücksichtigen, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist und in geordneten Verhältnissen lebt.

Allerdings wird ihm für zwei Jahre die Fahrerlaubnis entzogen, und er muss 1000 Euro an die Drogenhilfe Nordhessen zahlen. (pas)

Quelle: HNA

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