Amtsgericht Fritzlar verurteilte 22-Jährigen

Bewährungsstrafe für geständigen Einbrecher

Fritzlar. Zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten hat das Amtsgericht Fritzlar einen 22-Jährigen verurteilt. Es wurden ihm außerdem 200 gemeinnützige Arbeitsstunden auferlegt, um die erzieherische Wirkung des Urteils zu verdeutlichen.

Das Gericht wertete es als strafmindernd, dass der Täter Reue zeigte und die Wurzel des Übels bereits angepackt hat.

Es ist ein junger Mann, der alleine und ohne Rechtsbeistand gegenüber der Staatsanwältin Platz genommen hat. Er wirkt etwas gebeugt, seine Hände auf dem Tisch pressen die Fingerspitzen gegeneinander.

Ja, seine Eltern haben ihn begleitet und sitzen in der ersten Reihe. Die Richterin trägt den Tatbestand vor. Der Angeklagte hat „fremde, bewegliche Sachen weggenommen und für eigene Zwecke verwendet“. Das heißt, er ist in eine Spielhalle in Fritzlar eingebrochen, indem er das Fenster der Toilette einschlug. Im Kassenraum fand er den Schlüssel zum Tresor.

Insgesamt entstand ein Schaden von mehr als 2000 Euro. In dieser Zeit diente der Angeklagte als Zeitsoldat in der Georg-Friedrich Kaserne, wo sich dann auch die zweite Tat ereignete.

Aus dem aufgebrochenen Spind eines Kameraden wurden Bargeld, Zigaretten und Modeschmuck gestohlen. Der Vertrauensmissbrauch sei besonders verwerflich, sagt Richterin Corinna Eichler.

Der Angeklagte gesteht vorbehaltlos die Taten und sagt, er sei spielsüchtig gewesen. Mit dem Rückhalt seiner Familie und der Belastung durch das eigene Gewissen habe er sich dann selbst bei der Polizei angezeigt. Aus der Bundeswehr wurde er entlassen, zog zu seinem Vater nach Stuttgart, begann eine Therapie gegen die Spielsucht und fand einen Minijob in einer Diskothek. Außerdem besucht er die Abendschule mit dem Ziel, das Abitur abzulegen.

Mehrfach beteuert der Angeklagte, wie sehr er alles bereue. Bei den Opfern hat er sich zwischenzeitlich persönlich entschuldigt. Jetzt sei er dabei, sein Leben um 180 Grad zu drehen. Richterin Corinna Eichler sagt, das höre sich nach einem guten Plan an, es müsse nun aber einen „Schlag auf den Deckel“ geben. Sie erläutert, dass es sich um durchaus schwere Taten handelt. Die Staatsanwältin beantragt elf Monate auf Bewährung.

Es folgen bange Minuten des Schweigens, während die Richterin die juristischen Formulierungen für das Urteil zusammenstellt. Der junge Mann blickt auf seine Finger, die nun ineinander verschlungen sind.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

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