Tödlichen Unfall verursacht: Bewährungsstrafe für Porsche-Fahrer

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Bild der Verwüstung: Den Einsatzkräften bot sich bei Erreichen des Unfallorts auf der Bundesstraße 450 nahe Merxhausen ein schlimmes Bild. Der Porsche des Mannes aus Meschede wurde komplett zerstört, sein Beifahrer kam ums Leben.

Kassel. „Ich würde alles dafür geben, wenn ich das wieder gutmachen könnte“, sagte der 25-jährige Angeklagte unter Tränen am Dienstag vor dem Kasseler Amtsgericht. Der Student aus Meschede hatte mit seinem Porsche im Oktober 2012 auf der B450 zwischen Merxhausen und Riede einen schweren Unfall verursacht.

Dabei war sein Beifahrer so schwer verletzt worden, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Er war der beste Freund des Angeklagten gewesen.

Die beiden hatten die Ausbildung gemeinsam absolviert, danach beim Fachabitur zusammen die Schulbank gedrückt und schließlich studierten sie auch dasselbe Fach: Fahrzeugtechnik. Gemeinsam hatten sie dann auch ein Praktikum in Bad Emstal begonnen. In einem Wohnwagen übernachteten sie auf einem Campingplatz. An jenem Freitag im Oktober 2012 waren sie auf dem Weg vom Praktikum nach Hause. Vorher wollten sie noch ein Paket in der Werkstatt vorbei bringen, in der sie ab und zu an Autos geschraubt hatten.

Auf der Fahrt dorthin kam der Wagen ins Schleudern, geriet auf die andere Straßenseite und stieß mit einem Linienbus zusammen. „Ich weiß nur noch, wie ich durch Bad Emstal gefahren bin, sonst weiß ich gar nichts mehr“, sagte der 25-Jährige am Dienstag vor Gericht.

Mit der Beifahrerseite war sein Porsche gegen den entgegenkommenden Bus gekracht. Der Angeklagte selbst trug diverse Verletzungen davon: einen Oberschenkelhalsbruch, eine zertrümmerte rechte Hand, eine gequetschte Lunge. Doch noch heftiger hat es seinen Freund erwischt, neben einem Schädelhirntrauma war ihm ein Unterschenkel fast abgerissen worden, der hohe Blutverlust führte wohl dazu, dass er eine Stunde nach dem Unfall starb.

Ein Sachverständiger kommt zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte mit 94 Stundenkilometern unterwegs gewesen war, auf einer Strecke, auf der lediglich Tempo 70 erlaubt ist. „Ich bin kein Raser, ich weiß nicht, weshalb ich an diesem Tag zu schnell gewesen bin, wir hatten es eigentlich nicht eilig.“ Durch die überhöhte Geschwindigkeit muss der Wagen aus der Kurve getragen worden sein.

Der Fahrer des Busses sagte, dass er keine Chance zum Ausweichen gehabt hat. „Es ging alles ganz schnell.“ Obwohl er lediglich Tempo 50 gefahren war und sofort, als er den Wagen wahrgenommen hatte, bremste, konnte er seinen Bus nicht rechtzeitig zum Stehen bringen. Der Porsche mit den beiden verletzten Insassen, „sah schlimm“ aus, erinnerte sich der 27-Jährige am Dienstag. Er selbst sowie zwei weitere Insassen des Busses wurden leicht verletzt. Das Gericht folgte nicht der Staatsanwaltschaft, die eine Geldstrafe gefordert hatte. Der Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt, die jedoch zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Mit Blick auf die schweren Folgen des Unfalls sei eine Geldstrafe nicht angemessen gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung. (pas)

Quelle: HNA

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