Unterschlagung und Veruntreuung

Bewährungsstrafe: Postzusteller lagerte Pakete in zwei Garagen

Schwalm-Eder. Mehr als ein Jahr lang lieferte ein 38-jähriger Postzusteller aus dem Schwalm-Eder-Kreis zahlreiche Päckchen, Pakete und Briefe nicht an die Adressaten aus, sondern lagerte sie bei sich zu Hause in zwei Garagen.

Wegen veruntreuender Unterschlagung und Verletzung des Postgeheimnisses verurteilte ihn am Dienstag das Schöffengericht am Fritzlarer Amtsgericht zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Der ledige 38-Jährige, der bei seiner Mutter lebt, hatte sich bis zum Januar 2009 nichts zu Schulden kommen lassen. Seit 1988 arbeitete er bei der Post als Zusteller, hatte dort auch gelernt. Mit 1600 Euro im Monat verdiente er gut, hatte er wohl auch einige Kredite für Auto und Motorrad abzubezahlen.

Hintergrund

Der Fritzlarer Amtsrichter Gerhard Lohr brachte es auf den Punkt: Der Mann, der am Dienstag vor dem Schöffengericht stand wegen Veruntreuung in zahlreichen Fällen, war keiner der üblichen Straftäter. Er benötige psychotherapeutische Gespräche, um seine offensichtliche Unfähigkeit, mit Druck umzugehen, besser in den Griff zu bekommen. Nachdem der 38-Jährige im vergangenen Jahr bei der Post selbst gekündigt hatte, fand er wieder eine Stelle, allerdings in einem anderen Bereich und nur halbtags. Er muss nicht nur den Schaden wiedergutmachen, sondern auch die Kosten des Verfahrens tragen. Das Urteil wurde angenommen und ist damit rechtskräftig. (zam)

Es waren zunehmende Beschwerden bei der Post über fehlende Lieferungen, die zu internen Ermittlungen und schließlich auf die Spur des Zustellers führten. Im Mai 2010 fanden Polizisten bei einer Durchsuchung die unterschlagenen Päckchen und Briefe, schön aufgestapelt in den Garagen. Wie die Ermittlungen ergaben, fehlte nahezu nichts. Der 38-Jährige habe offenbar nichts verkauft von den Dingen, die er in den Päckchen fand, hieß es vor Gericht. Der Angeklagte versuchte zu begründen, warum er so gehandelt habe: Der Zeitdruck beim Zustellen sei immer größer geworden, er habe sein Pensum nicht geschafft und manche Sendung nicht ausgeliefert – und sie zu Hause aufbewahrt. Letztlich habe irgendwann die Neugier gesiegt und er habe nachgesehen, was wohl drin sei. Irgendwann habe er nicht gewusst, wie er aus der Sache wieder rauskommen sollte. Der Schaden, der entstanden ist, wurde mit 8000 Euro beziffert. Dieses Geld muss der 38-Jährige in Raten zurückzahlen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. „Es tut mir so leid“, sagte er vor Gericht. Es sei eine Erleichterung für ihn gewesen, als alles herauskam. (zam)

Quelle: HNA

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