Familie aus Wabern vermittelte Landmaschinen und gab Verkaufserlöse nicht weiter

Amtsgericht verurteilt Vater, Mutter und Tochter auf Bewährung

Fritzlar. Zu je zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung wurden drei Mitglieder einer Unternehmer-Familie wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges vom Amtsgericht Fritzlar verurteilt.

Der 53-jährige Mann, seine 50-jährige Ehefrau sowie die 26 Jahre alte Tochter hatten gemeinsam in Wabern eine Firma zur Vermittlung von Landmaschinen betrieben. Sie waren angeklagt, weil sie in der Zeit von März 2009 bis Juli 2012 in insgesamt 26 Fällen zwar den Verkauf von Maschinen wie Traktor, Pflug, Ballenpresse, Anhänger und Mähdrescher vermittelt hatten, die erzielten Verkaufserlöse jedoch nicht wie vereinbart an die Verkäufer weiter geleitet, sondern einbehalten hatten. Die Kaufpreise bewegten sich meist im vierstelligen Bereich, insgesamt belief sich der entstandene Schaden auf rund 177 000 Euro.

Auch wenn die Firma erst auf die eine und dann auf die andere Tochter angemeldet war, lief das Hauptgeschäft über den 53-Jährigen. Die Rechnungen schrieb seine Ehefrau, der Zahlungsverkehr lief über die Töchter. Schulden aus einer früheren Pleite unter anderem mit einer Trockenbau-Firma versuchte der Unternehmer mit den Einkünften aus der Landmaschinenvermittlung zu begleichen. Irgendwann wuchs ihm das alles über den Kopf, zusätzlich hatte die Familie private Probleme.

Auch zum Leben fehlte der Familie manchmal das Geld, das sie dann aus den Verkäufen abzweigte. „Ich habe den Überblick verloren. Jeden Tag rief jemand an und fragte, wann kriege ich mein Geld zurück“, so der Angeklagte. Sie hätten das Geld nicht ausgegeben, sondern Löcher damit gestopft. Sein Rechtsanwalt sagte dem Gericht, die Firma sei gut gelaufen bis es Ende 2011 Probleme mit der Bank gab. Seinem Mandanten habe es an grundlegendem Verständnis für kaufmännische Dinge gefehlt. Der Angeklagte nahm die gesamte Schuld auf sich und war geständig: „Ja, es stimmt“, sagte er zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, „ich schäme mich dafür und es tut mir aufrichtig leid“. Auch die beiden Frauen räumten ihre Schuld ein. Der Staatsanwalt forderte eine Haftstrafe ohne Bewährung für den 53-Jährigen. Für ihn lag die Hauptschuld beim Angeklagten, für die beiden Frauen als Mittäterinnen schlug er kürzere Strafen auf Bewährung vor.

Alle haben mitgemacht

Richterin Corinna Eichler verurteilte alle drei Familienmitglieder zu gleicher Strafe, da alle mitgemacht und von dem Geld profitiert hätten. Sie bewertete die Geständnisse als besonders wertvoll, da so eine mehrtägige Beweisaufnahme vermieden werden konnte.

Der Angeklagte muss künftig vier Prozent seines Einkommens zur Schadenswiedergutmachung bezahlen, die Ehefrau und die Tochter sollen 500 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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