Naumburgerin und Paar aus Wolfhagen verurteilt

Bewährungsstrafen nach brutaler Attacke

Naumburg/Wolfhagen. Die ganze Wahrheit zum Hintergrund der brutalen Schläge in Wolfhagen habe man sicher nicht erfahren, betonte das Kasseler Amtsgericht am Mittwoch. Dass die drei Angeklagten sich im August 2011 der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung an einem Mann aus Bad Emstal schuldig gemacht hätten, stehe aber fest.

Gegen die älteste Angeklagte, eine 30-Jährige aus Naumburg wurde deshalb – und wegen Sachbeschädigung – eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verhängt und zur Bewährung ausgesetzt. Die Hausfrau und Mutter war nicht einschlägig vorbestraft. Sie soll 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Gegen die zweite Frau, eine 24-Jährige aus Wolfhagen, wurde eine Bewährungsstrafe von einem Jahr verhängt. Die arbeitslose Mutter war nicht vorbestraft. Sie soll 80 Stunden Arbeit ableisten. Ihr Partner, ein 20-jähriger arbeitsloser Wolfhager, wurde auch der versuchten Nötigung schuldig gesprochen und zu sechs Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Er soll 60 Stunden abarbeiten.

Die brutale Attacke hatte sich in der Wohnung des Paares ereignet. Die 30-Jährige habe den Bad Emstaler dorthin bestellt, sei in Streit mit ihm geraten, habe einen Schlagstock aus der Handtasche gezogen und auf ihn eingeprügelt, sagten die Wolfhager aus. Hochprozentiges sei im Spiel gewesen. Versuche, die Frau zu stoppen, wurden nicht geschildert: Irgendwann habe die 24-Jährige den Bad Emstaler gebeten, nicht so laut zu schreien – wegen der Kinder.

Als der Mann sie dann gepackt habe, habe sie ihm mit dem herumliegenden Schlagstock auf den Kopf geschlagen, sagte die Wolfhagerin: „Ich war selbst erschrocken.“ Eine Platzwunde habe stark geblutet. Damit sei die Auseinandersetzung zu Ende gewesen – über eine halbe Stunde soll sie gedauert haben. In dieser Zeit hatte auch der 20-Jährige dem Bad Emstaler Faustschläge ins Gesicht versetzt. Das gab er am Mittwoch ebenso zu, wie dass er dem Mann eine Luftdruckpistole an den Kopf hielt – als der angekündigt habe, er werde dem Jugendamt von der Sache erzählen.

Brandwunden

Inzwischen arbeite das Paar mit dem Amt gut zusammen, berichtete die Jugendgerichtshilfe. Die Wolfhager hatten sich auch selbst der Polizei gestellt. Dem Opfer waren 2011 neben den anderen Verletzungen zwei Brandwunden attestiert worden. Die habe ihm die Naumburgerin mit Zigaretten zugefügt, war das Gericht überzeugt. Die 30-Jährige allerdings will dem Bad Emstaler lediglich ans Bein gehauen haben – mit einem Schlagstock, den sie ihm zuvor entwunden habe.

Der Mann habe ihr eine Jacke entwendet, gab sie als Grund für einen Konflikt an. Das Paar will Streit über Handy-Karten oder eine Beziehung gehört haben. Nichts von dem sei nachvollziehbar, befand das Gericht und sprach von „erschreckender Gruppendynamik“.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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